Am 18. April 1984, dem ersten Prozesstag, wurde das Gericht von einer gewaltigen Menschenmenge belagert. Überall waren Reporter - im Gerichtssaal, außerhalb des Gerichtssaals sowie vor dem Gebäude. Wohin ich auch ging, überall erwarteten mich Kameras, Mikrofone, Videoanlagen, Notizbücher und all die anderen Werkzeuge ihres Gewerbes. Einige Reporter folgten mir sogar auf die Herrentoilette. Andere scharten sich um Cristina. Wir hatten keine Privatsphäre und waren nicht in der Lage, über die uns gestellten Fragen auch nur eine Sekunde lang nachzudenken.
(DeLorean Autobiografie, S.249)

Der Prozess begann mit dem Eröffnungsplädoyer von James Walsh, der zusammen mit Robert Perry die Vereinigten Staaten vertrat und somit die Staatsanwaltschaft bildete. Walsh legte in seiner Bekundung geschickt seinen Fall dar und erläuterte ihn "auf seine Weise" ausführlich den Geschworenen. Dabei betonte er wiederholt, dass DeLorean durch das Kokaingeschäft verzweifelt seine Firma habe retten wollen und nannte anschließend die Anklagepunkte:

"Der erste Anklagepunkt lautet Verschwörung zum Besitz und Vertrieb von Kokain. Die Anklagepunkte Zwei und Drei beziehen sich auf diesen ersten. Zusammen sind sie als Betäubungsmittel-Anklagepunkte gruppiert. [...] Die Anklagepunkte Vier, Fünf und Neun befassen sich mit derselben Art von Zuwiderhandlung. Sie werden als Travel Act bezeichnet und umfassen staatenübergreifende Reisen mit dem Ziel, rechtswidrige Taten zu fördern, in diesem Fall den Handel mit Drogen. (Im Anschluss an die Eröffnungsplädoyers strich Richter Robert Takasugi den vierten Anklagepunkt.) [...] Die Anklagepunkte Sechs, Sieben und Acht stellen Verstöße gegen das Gesetz dar, welches jedwede Benutzung irgendeiner Kommunikationsanlage im zwischenstaatlichen Verkehr zur Förderung oder Unterstützung einer Betäubungsmittelstraftat untersagt. Das Beweismaterial wird zeigen, dass John DeLorean in zwei Fällen das Telefon und in einem dritten Fall Federal Express benutzte, um die Verschwörung zu ermöglichen, wegen der er hier und heute angeklagt ist."

Das Eröffnungsplädoyer der Verteidigung hielt Howard Weitzman. Weitzman gab den Geschworenen zu verstehen, dass John DeLorean von den Agenten hereingelegt worden war und versuchte ihnen verständlich zu machen, dass alles, was sie sahen, von der Regierung ins Leben gerufen wurde. Der Fall war eine Schöpfung der Regierung. Dann nahm er sich James Hoffman vor, der den "Handel" ins Rollen gebracht hatte. Weitzmans Rede war sehr leidenschaftlich. Sie endete mit den Worten: "Dieser Fall ist geschmacklos. Er ist eine Tragödie und ein Hohn auf die Gerechtigkeit. Das Beweismaterial wird mir Recht geben."

Benedict Tisa war der erste Zeuge der Staatsanwaltschaft. Dies war der Mann, der mir als James Benedict vorgestellt worden war - der "korrupte Bankpräsident", der mit der Eureka Bank in Verbindung stand. Ich weiß nicht, was ich von diesem erfahrenen FBI-Agent zu hören erwartete, als er den Zeugenstand betrat. Vermutlich ging ich davon aus, er wäre ehrlich und professionell und würde gut begründet darlegen, warum sich das FBI an meine Fersen geheftet hatte. Stattdessen sollte ich einen nervösen, oft konfusen Mann vorfinden, der sämtliche Geschehnisse des Falles stets auf die Art schilderte, die sich für die Regierung am dienlichsten erwies. In einigen Fällen war für mich gar offensichtlich, dass er falsche Informationen bereitstellte und Meineide leistete.
(DeLorean Autobiografie, S.257)

Tisa wurde zunächst nach dem Anlass für die Verhaftung von John DeLorean gefragt.

"Basierend auf dem Beweismaterial, das wir bisher gesammelt haben, war der Anlass der Verhaftung eine Investition in Betäubungsmittel, welche gewinnorientiert von Mr. Hetrick geliefert worden waren."

Anschließend wurde Tisa gefragt, welches Geld ich investiert hatte: "Zum Zeitpunkt seiner Verhaftung hatte er einen Schuldschein mit der Angabe ausgestellt, er würde mir aus den Einnahmen des Drogengeschäfts zwei Millionen Dollar zahlen, sobald dieses abgewickelt wäre", war die Antwort.

Unzufrieden mit dieser Antwort forderte Howard, er wolle wissen, welches Geld ich investiert hatte.

"Zum Zeitpunkt seiner Verhaftung hatte er kein Geld investiert", gestand Tisa. Er gab auch zu, dass niemand die Gültigkeit des von mir ausgestellten Schuldscheins überprüft hatte. Keiner von ihnen hatte kontrolliert, ob mein Schuldschein überhaupt gedeckt war oder ob ich womöglich nur geblufft hatte. (Später stellte sich heraus, dass Staatsanwalt Walsh in einer eidesstattlichen Aussage enthüllt hatte, von der Wertlosigkeit des Schuldscheins gewusst zu haben. Dies ist ein weiterer Beweis dafür, dass Walsh über meine Unschuld gänzlich im Bilde war und sich falscher Informationen bediente, um mich anklagen zu können.)
(DeLorean Autobiografie, S.263-264)

Im Verlauf der Vernehmung wurde ein Tatbestand immer offensichtlicher: Die Regierungsagenten hatten ihre Ermittlung gegen DeLorean nicht auf Basis von Beweismaterial begonnen, sondern lediglich auf Grund der Äußerungen von James Hoffman. Dieser hatte ihnen erzählt, DeLorean habe während einiger "unaufgezeichneter Gespräche" von einem Drogengeschäft gesprochen. Der nächste Schock folgte, als Tisa über seine Ermittlungsnotizen aussagte. Derartige Notizen enstehen während einer Er- mittlung und dürfen nur unverändert vor Gericht als Beweismaterial dienen. Tisa hatte jedoch offensichtlich im Jahr 1983 einige Notizen zerstört und neu verfasst. Dabei war ihm allerdings ein Fehler unterlaufen: Er hatte mehrmals als Datum 1983 und nicht 1982 angegeben.

Das war für die Geschworenen zweifellos sehr aufschlussreich, da niemand zufällig das nächste Jahr als Datum angibt. Seine Fälschung von Beweismaterial erwies sich für die Regierung als absolute Katastrophe. Tatsächlich gestand er im Zeugenstand ein, die Originalnotizen zerstört zu haben. Gemäß den Statuten des Ninth Circuit war diese Tat ausreichend, um jede Art einer möglichen Berufung abzuschmettern. [...] Ich bin davon überzeugt, dass sich Tisa [...] der Tragweite seiner eingestandenen Taten gänzlich bewusst war. Je mehr er sagte, desto unprofessioneller klang er. Seine Aussage war eine Schande.
(DeLorean Autobiografie, S.266, 268)

Am 26. April folgte ein weiteres aufschlussreiches Ereignis. Als alle außer Staatsanwalt Perry und Benedict Tisa in der Vormittagspause den Gerichtssaal verlassen hatten, begann Perry seinen Zeugen verbal zu attackieren. Seine Stimme wurde vor Wut immer lauter, als er Tisa wegen dessen "dummer" Aussage beschimpfte und den Agenten deutlich zu deren Änderung aufforderte. Was keiner von beiden wusste, war, dass sich auf dem Tisch neben ihnen ein eingeschaltetes Mikrofon befand, das für die zahlreichen Mitarbeiter der Presse, die keinen Platz mehr im Gerichtssaal gefunden hatten, installiert und mit dem Presseraum verkabelt worden war. Auf diese Weise hörten die Journalisten jedes Wort und konnten bezeugen, dass Perry zu illegalen Mitteln gegriffen und seinem Zeugen die Aussage vorgeschrieben hatte.

An einem anderen Tag gab Tisa zu, bereits während der Ermittlung gewusst zu haben, dass DeLoreans vermeintlicher Kontakt zur IRA in Wahrheit nie existiert hatte. Richtig interessant wurde das Verhör am 3. Mai, als Howard Weitzman Benedict Tisa auf das letzte Videoband ansprach, das u.a. DeLoreans Verhaftung zeigte. Dieses Videoband war für das FBI das ultimative Beweisstück für DeLoreans Schuld. Während des Verhörs von Tisa gelang es Weitzman jedoch, die Relevanz dieses Videobandes komplett zu vernichten.

"Mal sehen, ob ich das richtig verstanden habe. Am 15. September war dies ihr Plan, egal, ob John DeLorean das Geld beschaffen konnte oder nicht: Zuerst musste Morgan Hetrick das Kokain liefern, dann sollte Jim Hoffman vortäuschen, dieses Kokain entgegengenommen und verkauft zu haben und anschließend wollten sie alle John DeLorean das Geld aushändigen. Sah so Ihr Vorhaben aus?", fragte Howard.

"Ja, das war zum damaligen Zeitpunkt die Intention unseres Plans."

Mit anderen Worten: Egal, was ich tat, ich war verloren. Für eine Verhaftung mussten sie mir lediglich nach dem Abschluss ihres Geschäfts das Geld in die Hand drücken. Es gab kein Entkommen. Ich war in ihrer Hand. [...] Doch allem zum Trotz, was ich bis dahin gehört und gesehen hatte, war mir nicht klar gewesen, wie weit er und die Regierung gegangen wären, um mich hinter Gitter zu bringen, bis ich seine Aussage vom 3. Mai vernahm.

"Haben Sie an der Entscheidung mitgewirkt, derzufolge John DeLorean verhaftet werden sollte?", fragte mein Anwalt.

"Ich wurde darauf aufmerksam gemacht, dass ich ihn verhaften sollte, wenn er am 19. Oktober erschien."

[...]

"Als der Mann gerade aus dem Flugzeug stieg, wussten Sie demnach bereits, dass Sie ihn verhaften würden, richtig?"

"Richtig."

"Sie hatten also bereits festgestellt, dass er ein Verbrechen begangen hatte, richtig?"

"Ja."

"Sie haben geglaubt, er sei schuldig, richtig?"

"Ich habe geglaubt, es sei ausreichend Beweismaterial vorhanden."

"Obwohl Sie also der Überzeugung waren, es sei ein Verbrechen begangen worden und obwohl man bereits entschieden hatte, ihn zu verhaften, waren Sie der Meinung, es sei wichtig für das Beweismaterial, ein letztes Videoband aufzunehmen, richtig?"

"Ja, obgleich diese Entscheidung von anderen Personen getroffen wurde."

[...]

"Stimmen Sie mir zu, wenn ich sage, dass Mr. DeLorean nichts von dem Kokain wusste, das später im Zimmer auftauchte?"

"Ja."

"Und Mr. DeLorean wusste nicht, dass man es vor ihm auf dem Tisch platzieren würde?"

"Das ist richtig."

"Unabhängig von seiner Reaktion hätte man ihn auf jeden Fall verhaftet, richtig?"

"Ja."

"Ich meine, wenn er zum Beispiel versucht hätte, aus dem Zimmer zu flüchten - hätte man ihn verhaftet?"

"Ja."

"Wäre er auch verhaftet worden, wenn er in Ohnmacht gefallen wäre?"

"Ja."

"Und er wäre ebenfalls verhaftet worden, wenn er irgendeine Reaktion vorgetäuscht hätte, richtig?"

Das war eine wichtige Frage, die meinen verzweifelten Überlebenswunsch hervorhob. Und es war eine Frage, gegen die der Staatsanwalt Einspruch erhob. Nachdem der Richter diesen Einspruch abgewiesen hatte, wiederholte Howard seine Frage.

"Mit anderen Worten: John DeLoreans Reaktion spielte keinerlei Rolle - ob er nun Sie als Geisel genommen hätte, aus dem Zimmer geflüchtet oder in Ohnmacht gefallen wäre - er wäre in jedem Fall verhaftet worden, richtig?"

"Noch einmal: Das hinge von..."

"Lautet die Antwort nicht: 'Ja, Mr. Weitzman, er wäre in jedem Fall verhaftet worden'?"

"Ich denke schon, aber ich würde das gerne erklären."

[...]

Richter Takasugi lehnte sich über seine Richterbank und sagte zu Tisa: "Dann erklären Sie es uns doch bitte."

Tisa entgegnete: "Nun, wenn Mr. DeLorean aufgestanden wäre und gesagt hätte - 'Es tut mir Leid. Das ist alles ein Missverständnis. Ich werde das FBI oder die DEA benachrichtigen' - und anschließend den Raum verlassen hätte, dann wäre er wahrscheinlich nicht verhaftet worden."

Für mich war das der Wendepunkt im Prozess, obwohl er noch Wochen andauern sollte. Tisa zufolge hatte ich mich mit drei Männern in einem Zimmer aufgehalten, die ich für Mitglieder des organisierten Verbrechens hielt. Zwei dieser Männer hatten mich bedroht - einer auf brutale Art und Weise meine Familie. Nichtsdestotrotz war von mir erwartet worden, dass ich meine Ehrlichkeit unter Beweis stellte, indem ich sie denunzierte, aus dem Zimmer ging und das FBI oder die DEA alarmierte. Sie hatten mir Drogen gezeigt und bewiesen, wozu sie fähig waren. Ich aber hatte davon ausgehen sollen, dass sie mich einfach hätten gehen lassen, weil ich keine Drogen mochte? Diese Denkweise glich ein wenig den Hexenprüfungen des mittelalterlichen Englands. [...] Um einer Verhaftung zu entgehen, hätte ich riskieren müssen, dass man mich oder meine Familie ermordet.
(DeLorean Autobiografie, S.272, 278-280)

Am 10. Mai gab Tisa schließlich zu, dass er all seine Informationen von James Hoffman bezogen hatte. Folglich war die Ermittlung, sofern Hoffman gelogen hatte, eine einzige Farce. Tisa aber beharrte darauf, dass Hoffman die Wahrheit gesagt hatte, wenngleich es hierfür keinerlei eindeutige Beweise gab.

Am 11. Mai 1984 endete das Verhör von Benedict Tisa.

Als Tisa den Zeugenstand verließ, spürte ich, dass die Sache gelaufen war. Es gab keinerlei Anzeichen für einen Fall, ein Verbrechen oder eine Straftat, keine plausible Begründung dafür, dass ich mich an einem Drogengeschäft hatte beteiligen wollen, kein Beweisstück, das mich in Bedrängnis brachte und darüber hinaus so viele widersprüchliche Aussagen von Benedict Tisa, dass ich staunen musste. Der erste Zeuge der Regierung hatte hervorragende Argumente für meine Unschuld geliefert. Irgendwie wusste ich, dass Gott damit zu tun hatte. Ich fühlte mich wie ein Spieler eines Highschool-Footballteams, das gegen die Dallas Cowboys auflief. Und mein Team gewann.
(DeLorean Autobiografie, S.288)

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