DMCTalk Interview, April 2008 - William "Bill" Collins




1.) Wann und auf welche Art sind Sie John DeLorean zum ersten Mal begegnet? Was war Ihr erster Eindruck von ihm?

Ich traf John das erste Mal, als ich 1959 zu Pontiac zurückkehrte. Mir wurde aufgetragen, als Prüfingenieur an verschiedenen Konstruktionsprojekten mitzuwirken. John war zum damaligen Zeitpunkt Leiter der Entwicklungsabteilung. Viele von uns bewunderten ihn sowohl persönlich als auch auf professioneller Basis. Er wurde zu meinem Mentor, bis er schließlich zum Leiter der Chevrolet-Abteilung befördert wurde.

2.) Wie brachte DeLorean Sie dazu, sich seinem DMC-Projekt anzuschließen? War es eine schwierige Entscheidung, für dieses Wagnis Ihren Job bei GM aufzugeben?

John hatte mich bereits zuvor mit der Bitte kontaktiert, ihm beim Aufbau eines von ihm geplanten Kartrennen-Projekts zu helfen. Ich meinte zu ihm, dass dies nicht meinem Interesse entsprach, fügte jedoch hinzu, dass ich jederzeit bereit wäre, mit ihm ein Automobil zu entwerfen. Irgendwann rief er mich dann erneut an und fragte, ob ich seinen Sportwagen konstruieren wolle! Wer wollte das nicht? Es war dennoch schwer, GM zu verlassen. Bei meinem Abschiedsgespräch mit Pete Estes, dem damaligen Präsident von GM, wünschte mir dieser viel Glück; er erklärte mir jedoch auch, ich solle vorsichtig sein…er meinte, John sei "flatterhaft".

3.) Was waren Ihre Gedanken bezüglich der Design-Parameter, die Ihnen John vorgab? Waren Sie mit diesen Vorgaben gänzlich einverstanden (z.B. die Edelstahl-Verkleidung, die Flügeltüren, Heckmotor vs. Mittelmotor...)

Ich war mit all diesen Vorgaben einverstanden. Wir hätten zwar beide ein Mittelmotor-Konzept bevorzugt, doch konnten wir letztlich kein solches für uns Verfügbares ausmachen.

4.) Was waren die hauptsächlichen Unterschiede zwischen dem ersten und dem zweiten Prototyp?

Prototyp Nr.1 wurde von Mike Pocabello und dessen Firma Triad gebaut. Prototyp Nr.2 wurde von Creative Industries konstruiert und war - gelinde gesagt - bei weitem nicht so gut gefertigt wie der erste.

5.) Wann führten Sie Ihre letzte Diskussion mit John DeLorean? Um was ging es dabei?

Das war wahrscheinlich im Spätjahr 1979. Es ging dabei um meine Aktienoptionen, die man mir nicht aushändigen wollte. Dies hinterließ bei mir für lange Zeit einen faden Nachgeschmack.

6.) Nun, da Sie das Resultat des Autos kennen und wissen, dass Sie die Firma vorzeitig verlassen haben: Würden Sie zurückblickend alles noch einmal genauso machen?

Ja, es hat sehr viel Spaß gemacht und verschaffte mir die Hintergrundinformationen und die Erfahrung, die mir letztlich dabei halfen, im Jahr 1981 meine eigene Firma zu gründen und Vixen-Fahrzeuge zu produzieren

7.) Wann haben Sie zum letzten Mal einen DeLorean gefahren? Werden Sie sich irgendwann einen DeLorean kaufen?

Stand heute (12. April 2008) habe ich zum letzten Mal im September 1978 in Phoenix gemeinsam mit Mike Kimberly und Colin Chapman die Erfahrung gemacht, einen DeLorean zu fahren – das war damals der desaströse zweite Prototyp. Ich plane jedoch demnächst eine Fahrt in meinem eigenen "neuen" DMC-12! Am 19. April wird es soweit sein. Darauf freue ich mich sehr.

8.) Wenn Sie einem DeLorean-Fan eine einzigartige Erfahrung mit auf den Weg geben müssten, die Sie während Ihrer Arbeit bei der DMC gemacht haben, welche wäre das?

Es wäre wohl die Erfahrung der maroden Art und Weise, in der Colin Chapman mich und mein Team behandelte... Die schönste Erfahrung war jedoch die Herstellung des ersten Vorderkotflügels aus Edelstahl und die des Torsionsstabes, der von Grumman entwickelt wurde.

9.) Mit welcher Person haben Sie während Ihrer Zeit bei der DMC am liebsten zusammengearbeitet?

Das war wohl Bob Dewey [Leiter der Finanzabteilung]. Er wurde später mein Geschäftspartner beim Vixen-Projekt.

10.) Warum war der zweite Prototyp so schlecht? Was ging bei der Fahrt im September 1978 schief?

Die Fahrt in Phoenix im Jahr 1978 war aus mehreren Gründen ein Desaster. Ich erinnere mich beispielsweise an einen Fehler in der Elektrik. Darüber hinaus war das Handling eine Katastrophe. Es war jedenfalls nichts, worauf ich sehr stolz war!

11.) Stimmt es, dass Colin Chapman die DeLorean Motor Company betrügen wollte? Warum gab es so viele Spannungen zwischen der DMC und Lotus?

Soweit ich weiß, haben John und Colin irgendwie dafür gesorgt, dass knapp 18 Millionen Dollar "verschwunden" sind. Die Spannungs-Frage kann ich nicht beantworten. Vielleicht ist Mike Kimberly dazu in der Lage. Ich hatte jedenfalls das Gefühl, dass wir schlicht zum Schauplatz der Kleinkriege zwischen den gigantischen Egos von John und Colin wurden.

12.) Welche Besonderheiten des Prototyps hätten Sie gerne im Produktionsmodell gesehen? Der Prototyp verfügte über spezielle Armaturenbrettanzeigen, beispielsweise in Bezug auf den Reifendruck, und Airbags. Waren das ehrliche Ziele oder dienten diese Dinge nur der "Show"?

Reifendruck-Anzeigen und Airbags waren legitime Ziele. Ich glaube, 1980 gab es schlicht keinen kommerziellen Anbieter von Reifendruck-Systemen und zum Entwickeln und Testen von Airbags hatten wir letztlich zu wenig Zeit.

13.) Was dachten Sie darüber, dass John das Auto und die Firma nach sich benannte? Hatten Sie Einfluss auf die Namensgebung des Autos?

Ich hatte kein Problem damit, dass John der Firma und dem Auto seinen Namen gab. Bei Ford, Chrysler etc war das schließlich nicht anders. Auf den Namen "DMC-12" kam Dave Wood [Chef der Marketing-Abteilung] hinsichtlich einer Präsentation für Rolls Royce.

14.) Welche Konzepte oder Besonderheiten hätten Sie aus heutiger Sicht gerne in den DMC-12 implementiert?

Zunächst hätte ich gerne einen anspruchsvolleren Motor und eine bessere Lösung für die Fensterscheiben gefunden – mir gefallen weder die manuell zu öffnenden Fenster des Prototyps, noch die elektronisch bedienbaren Luken des Verkaufsmodells. Darüber hinaus hätte ich verborgene Scheibenwischer bevorzugt - eine Pontiac-Tradition. Und zugunsten besserer Sichtverhältnisse hätte ich eine Modifikation der A-Säule vorgeschlagen.

15.) Welches Automobilprojekt würden Sie als Ihre größte Leistung bezeichnen? Arbeiten Sie womöglich sogar an neuen Projekten?

Die Gründung meiner Firma, meine Vixen-Konstruktion, das Erreichen von 34,7 Meilen pro Gallone und die Produktion von letztlich 547 Vixen-Fahrzeugen - dies alles verlieh mir wirklich ein starkes Gefühl, etwas bewerkstelligt zu haben. Ich wäre sehr froh darüber, wenn jemand erneut auf die Idee käme, den Vixen zu produzieren. Ansonsten werde ich in Zukunft einfach meinen DeLorean genießen und hoffe, dass Sie es mir gleichtun.
Quelle: DMCTalk.com

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