Für den Untergang der DeLorean Motor Company ist zweifellos auch die Britische Regierung verantwortlich. Was Ende der Siebziger äußerst verheißungsvoll begann, endete Anfang der Achtziger in einem Desaster. Um Arbeitsplätze in Nordirland zu schaffen, sicherten die Briten DeLorean im Jahr 1978 Kredite in Höhe von über 100 Millionen Dollar zu, falls dieser seine Fabrik im Krisengebiet Dunmurry baue. DeLorean stimmte zu und unterzeichnete gemeinsam mit der Labour-Regierung einen sorgsam ausgearbeiteten Finanzierungsvertrag. Bald aber sollte sich das Blatt bereits wenden.

Am 4. Mai 1979 wurde Margaret Thatcher ("Die Eiserne Lady") zur ersten Premierministerin Englands gewählt. Die konservative Thatcher-Regierung versuchte umgehend, den von der Vorgängerregierung abgeschlossenen Finanzierungsvertrag der DeLorean Motor Company zu modifizieren. Das Projekt, so meinten Regierungsvertreter, sei viel zu kostspielig. Dass die Regierungsopposition in Form der Labour-Partei im Falle eines Erfolges der DMC Pluspunkte bei den Wählern gesammelt hätte, war am Ende wohl ebenfalls ein Grund dafür, dass die Briten der amerikanischen Automobilfirma langsam aber sicher den Geldhahn abdrehten. Die aber war nach wie vor vollständig auf den ursprünglichen Finanzierungsvertrag angewiesen.

Im Rückblick kann ich sagen, dass wir niemals überhaupt in Produktion hätten gehen dürfen! Als ersichtlich wurde, dass die neue konservative Britische Regierung den Vertrag, den wir zuvor mit der Labour-Regierung abgeschlossen hatten, nicht anzuerkennen gedachte, hätte ich die Firma schließen sollen.
(DeLorean Autobiografie, S.138)

Möglicherweise sahen die Briten in der DeLorean Motor Company gar eine Bedrohung. Die Bevölkerung von West Belfast sehnte sich nach der Unabhängigkeit von Großbritannien. DeLoreans Automobilfirma war in der Lage, diesen Menschen Hoffnung zu schenken. In gewisser Hinsicht war die DMC ein Symbol für das, was ein privates Unternehmen in Nordirland erreichen konnte, ohne gänzlich von den Briten kontrolliert zu werden. Damit bewies man der Bevölkerung von Belfast gewissermaßen, dass sie unabhängig sein konnte. Und das widerum schien Margaret Thatcher und der Britischen Regierung Kopfschmerzen zu bereiten.

Es wird weitgehend vermutet, dass in England unverzüglich Schritte eingeleitet wurden, um effektiv den Firmenbetrieb der Automobilfirma zu stören. John Z. DeLorean beispielsweise wurde durch Warnungen des Britischen Geheimdiens- tes aus der Ruhe gebracht. Der MI6 wies den Gründer der DMC wiederholt daraufhin, dass dessen Leben in Gefahr sei. Ihm wurde geraten, in London zu bleiben und Belfast nur am Tag zu bereisen. Blieb er dennoch in Belfast, so erhielt er rund um die Uhr Geleitschutz. Später mutmaßte der Amerikaner, diese Warnungen seien erfunden worden, um ihn von der Arbeit fernzuhalten.

Laut Quellen innerhalb des von den Briten eingeführten Gläubigerausschusses stand man meinem Erfolg äußerst feindselig gegenüber und vertrat die Meinung, dass die Firma den Briten gehören solle, da sie schließ- lich von diesen finanziert worden war. Wäre meine Firma nicht gescheitert, hätte ich am Ende erheblichen Nutzen aus meinem Aktienbestand gezogen. Meinen Quellen zufolge war der Gedanke, dass ein Amerikaner aus einem teilweise von der Britischen Regierung unterstützten West Belfast-Unternehmen Kapital schlagen sollte, jedoch extrem verhasst. Man wollte mich ausschalten, damit eine britische Firma die DMC übernehmen konnte. Darüber hinaus berichtete man uns, dass Sir Kenneth Cork, der Konkursverwalter der Britischen Re- gierung, willentlich unsere Finanzierung durch die BoA scheitern ließ. Erneut äußerst bedenkliche "Umstände".
(DeLorean Autobiografie, S.142)

Ein Teil der britischen Finanzierung war von einer Art Bürgschaft abhängig, die sich Exportkreditgarantie (ECGD) nannte und der DeLorean Motor Company für jedes gebaute Auto leihweise einen bestimmten Geldbetrag garantiert hätte. Die Britische Regierung hielt sich jedoch nicht an das vertraglich festgelegte Abkommen und brachte die DMC auf diese Weise in große Schwierigkeiten. Durch den Rahmenvertrag mit den Briten hätte die Automobilfirma mittels der ECGD neunzig Prozent des Händlernettopreises kassieren dürfen, also knapp 18.000 Dollar pro Auto. Während allerdings jeder Exporteur in Großbritannien die ECGD erhielt, egal, ob er nun Autos, Turbinen oder Zahnbürsten herstellte, wurde sie der DeLorean Motor Company vehement vorenthalten. Dadurch verdeutlichte die Britische Regierung einmal mehr, dass sie nicht daran dachte, den Finanzierungsvertrag einzuhalten.

Folglich blieb die DeLorean Motor Company in einer sehr unsicheren Situation und nicht nur John DeLorean wusste, dass eine außerplanmäßige Betriebsunterbrechung in einer Katastrophe enden konnte. Diese kam in zwei Schritten. Zunächst verursachten Transportstreiks zwischen dem Festland und Belfast, dass die Lieferungen wichtiger Teile ausblieben. Anschließend folgte in den USA ein katastrophal schneereicher Winter, der die gesamte nordamerikanische Automobilindustrie in die Knie zwang. Die DeLorean Motor Company wurde von dieser Rezession weitaus härter getroffen als die Konkurrenz. Sie war die jüngste Automobilfirma der Welt und gänzlich darum bemüht, Kapital aufzubringen. Da überdies drei Viertel aller DMC-Händler von GM und Ford abhängig waren, lief die Kürzung von deren Budget darauf hinaus, dass sie die aus Nordirland bestellten Autos nicht mehr bezahlen konnten. Die Problematik lag darin, dass entweder für die meisten dieser Autos schon Bauteile bestellt oder aber die Automobile bereits fertiggebaut auf Schiffe befördert worden waren.

Mit Hilfe der ECGD-Finanzierung hätte DeLoreans Automobilfirma den Winter womöglich überstanden. So aber musste das Unternehmen unbedingt alternative Mittel auftreiben. Das allerdings gelang DeLorean nicht. Die Regierung des Vereinigten Königreiches setzte die DeLorean Motor Company, trotz DeLoreans heftigster Einsprüche, in Konkursverwaltung.

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