Zur Wiedereröffnung der Fabrik, Wiederaufnahme der Produktion und Rettung seiner Automobilfirma benötigte Firmengründer
John Z. DeLorean vor allen Dingen eines: Geld. Genauer gesagt: Mindestens 10 Millionen Dollar. Um diese üppige
Summe aufzutreiben, machte sich DeLorean weltweit auf die Suche nach Investoren und empfing jeden, der vorgab,
vermögend zu sein. Dabei sprach er nicht nur mit dem ein oder anderen Öl- scheich im Nahen Osten, sondern wandte sich - der Autobiografie
Iacoccas zufolge - auch an den damaligen Chrysler-Präsidenten und schlug diesem eine Fusion der beiden Firmen vor.
Doch keine seiner umfangreichen Bemühungen schien irgendwelche Früchte zu tragen. Aufgeben kam für DeLorean allerdings nicht in Frage.
So nahm er jede Niederlage als neue Herausforderung und ging immer aggressiver der Rettung seines Traumes nach.
Die Schlüsselfigur des folgenden Drogenskandals war ein Mann namens James Hoffman, der Mitte der Siebziger während eines Drogengeschäfts von Agenten der Drug Enforcement Administration (DEA) verhaftet und vor die Wahl gestellt worden war, für längere Zeit ins Gefängnis zu wandern oder aber in Zukunft als Informant für die DEA zu arbeiten. Hoffman hatte sich für letzteres entschieden und in der Folge seine ehemaligen Freunde aus der Drogenbranche verraten. Da ihm anschließend jedoch in mehreren Fällen grobe Fehler unterlaufen waren, stand er im Sommer 1982 unter großem Druck. Wollte er nicht doch noch eine Haftstrafe absitzen, musste er für ein richtiges Erfolgserlebnis sorgen. Zum damaligen Zeitpunkt suchte John DeLorean bereits mit aller Macht nach Investoren, eine Gegebenheit, die
Hoffman in der Folge gnadenlos auszunutzen wusste. Zugute kam ihm hierbei,
dass er DeLorean 1980 schon einmal über den Weg gelaufen war. Damals hatte Hoffman die Osterferien mit seiner Familie
in Pauma Valley verbracht und überrascht festgestellt, dass sein Nachbar John DeLorean hieß. Dieser be- saß in Pauma
Valley eine Ranch und war ebenfalls mit seiner Familie vor Ort. Wie es der Zufall so wollte, hatten sich die beiden
Männer in jenen Tagen kurz unterhalten. Genau das machte sich Hoffman nun zunutze. Am 29. Juni 1982 rief er bei der
Geschäftsstelle der DeLorean Motor Company in New York an und erklärte DeLoreans Sekretärin, dass er Investoren habe, die willig seien, Gelder zur
Verfügung zu stellen.
So nahm das Schicksal seinen Lauf. Hoffmans Vorhaben war klar: Er erzählte der DEA, er habe einen großen Fisch an der Angel und überzeugte die Agenten davon, dass John DeLorean mit Drogen handle. Er versprach ihnen, er könne ihnen DeLorean liefern. Dadurch hätte Hoffman enorm an Ansehen hinzugewonnen. Darüber hinaus wurden die DEA-Abteilungen damals für Verhaftungen mit Prämien belohnt. Je "größer" die verhaftete Person war, desto mehr kassierten sie. Allein beim Namen "DeLorean" träumten demnach bereits viele Agenten von einer Beförderung. Die Tatsache, dass es sich beim Gründer der DeLorean Motor Company um einen anerkannten Geschäftsmann guten Rufes handelte, wurde willentlich außer Acht gelassen. Hoffman aber, einem verurteilten Straftäter, schenkte man Glauben. Was nunmehr fehlte, waren Beweise. Im Juli 1982 eröffnete die DEA in Kooperation mit dem FBI offiziell die DeLorean-Ermittlung.
DeLorean selbst ahnte natürlich noch nicht, dass Hoffman ihn zu einem Rauschgifthandel bewegen wollte. Er folgte allein dem Ruf des Geldes, das Hoffmans angebliche Investoren bereitstellen wollten. Hinzu kam, dass sich ein FBI-Agent mit dem Decknamen James Benedict als Präsident von Eureka Federal, einer großen Bank, ausgab. Er stärkte Hoffman den Rücken und ließ DeLorean glauben, Hoffman stünden große Finanzmittel zur Verfügung. Über Drogen verlor man dagegen anfangs kein Wort. DeLorean sollte sich vorerst sicher fühlen.
Nach weiteren Telefongsprächen traf er sich am 4. September 1982 mit Hoffman in dessen Zimmer im
Washingtoner L'Enfant Plaza Hotel. Im vorangegangenen Telefonat hatte Hoffman DeLorean gute Neuigkeiten versprochen.
Während des Treffens offenbarte der Informant schließlich, dass die eigentliche Investition so gut wie ins Wasser
gefallen sei, dass er in der Zwischenzeit jedoch ein anderes Geschäft habe zusammenstellen können, an dem sich auch
einige Geschäftsleute aus Kolumbien beteiligen wollten.
Hoffman erklärte, er könne durch dieses Geschäft mindestens 30 Millionen Dollar auftreiben, genug Geld also, um die DMC zu retten! Dann meinte Hoffman, dass DeLorean auf zweierlei Wegen zu seinem Geld kommen
könne: Durch ein Drogengeschäft oder die ursprünglich erörterte Zwischen-finanzierung. Diese Darlegung schockierte DeLorean ohne
Ende. Nahezu reflexartig erklärte er Hoffman, dass er die Zwischenfinanzierung bevor- zuge. Davon zeigte sich dieser natürlich
keineswegs überrascht. Ehe er das Thema wechselte, gab Hoffman geschickt weitere Details des Drogendeals preis.
So begann DeLorean zu realisieren, dass er einem Verbrecher gegen- übersaß. Er war zutiefst
beunruhigt. Hoffman schien aktiv in das organi- sierte Verbrechen involviert zu sein! Noch furchterregender aber war,
dass der Präsident einer großen Bank, James T. Benedict, mit ihm zusammenarbeitete. Dies nämlich wies daraufhin, dass Hoffmans
Organisation eine äußerst einflussreiche Multimilliarden-Dollar-Einrichtung zur Verfügung stand.
Im Anschluss an dieses Treffen wusste John DeLorean, dass er einen Weg finden musste, um aus dem Geschäft wieder aussteigen zu können. Nach langen Überlegungen gelangte er zu der Auffassung,
er müsse Hoffman auf den Gedanken bringen, dass er eine Organisation
vertrat, die weit brutaler war als dessen Verbindungen. Die Lösung lag nahe. Die Fabrik der DMC stand in Nordirland, der Heimat der Irish
Republican Army, zum damaligen Zeitpunkt eine der gefürchtesten Terrororganisationen der Welt. Im Verlauf eines Telefongespräches mit
Hoffman behauptete DeLoreans schließlich, dass er mit eben dieser IRA zusammenarbeite. Hierdurch hoffte er, Hoffman
verwirren und Zeit gewinnen zu können. Natürlich hätte er auch frei heraus erklären können, dass er mit Verbrechern
wie Hoffman nichts zu tun haben wolle. Jedoch sah DeLorean in Hoffman einen gefährlichen Verbrecher. Wie würde dieser
reagieren, wenn er einfach ausstieg? Der Amerikaner wollte vorerst kein Risiko eingehen.
Natürlich nahm John DeLorean überdies unverzüglich Kontakt zu Tom Kimmerly, dem Anwalt seiner Firma, auf. Aus Angst um seine Familie erwähnte er diesem gegenüber zwar nicht direkt das Drogengeschäft, meinte aber, er sei gezwungen, in ein illegales Vorhaben zu investieren. Kimmerlys Ratschläge sollten ihm weiterhelfen: Sich zu nichts verpflichten, keine Verträge abschließen, keine Gelder investieren oder annehmen und vor allen Dingen blockieren! Wenn er sie lange genug hinhalten konnte, würde man ihn irgendwann aufgeben. Stattdessen aber drängte man DeLorean mehr und mehr zu einer Investition in das Drogengeschäft. Am 15. September 1982 erhielt DeLorean einen Anruf von James Benedict. Dieser plauderte weitere Details des Drogengeschäfts aus und nannte erstmals des Namen von William Morgan Hetrick. Hetrick hatte mit den FBI- und DEA-Agenten nichts am Hut und war tatsächlich in der Drogenbranche tätig. Benedict zufolge hatte
tätig. Benedict zufolge hatte er versprochen, 100 Kilogramm Kokain
aufzu- treiben. Der Geschäftsplan selbst sah wie folgt aus:
Zum Kauf der von Hetrick importierten Drogen sollten John Vicenza (DEA-Agent John Valestra) und John DeLorean
3,2 bzw. 1,8 Millionen Dollar zur Verfügung stellen. Hoffman selbst wollte das erworbene Kokain
anschließend für unge- fähr fünfzig Millionen Dollar weiterverkaufen und den Gewinn aus dem Geschäft in Aktien der
DeLorean Motor Company investieren. Mit Hilfe dieser Finanzspritze sollte die Fabrik in Dunmurry wiedereröffnet
werden und der Verbrecherring ins Management der Firma einsteigen. Das Geschäft schien sich dem Ende zu nähern. Als Benedict am
selben Tag ein weiteres Mal anrief, entschied DeLorean daher, einmal mehr die IRA ins Spiel zu bringen.
So gab er Benedict zu verstehen, dass er sich nicht länger am Drogengeschäft beteiligen könne, da ihm die IRA
Einhalt geboten habe und diese über seine 1,8 Millionen Dollar verfüge.
Selbstverständlich überprüften das FBI und die DEA DeLoreans Verbindungen zur IRA und stellten fest, dass der Automobilmanager gelogen hatte. Ihnen war klar, dass DeLorean mit allen Mitteln versuchte, aus dem Drogengeschäft auszusteigen. Allerspätestens hier hätten die Agenten dem Gesetz nach ihren Einsatz abbrechen müssen. Doch sie alle träumten bereits von ihren Prämien und Beförderungen. Also machten sie weiter...
DeLorean hatte keine Wahl. Als Benedict am nächsten Morgen anrief und warnend an Hoffmans Anruf vom Vortag
erinnerte, akzeptierte DeLorean dessen Vorschläge. Der Chef der DeLorean Motor Company war von Kriminellen
umgeben und es gab keinen Ausweg. Benedict erörterte Verträge. Hoffman drohte seiner Familie. Keiner schien
wegen seiner Verbindungen zur IRA beunruhigt. Was DeLorean blieb, waren die Ratschläge seines Anwaltes: Keine
Verpflichtungen eingehen und blockieren. Doch die Agenten hatten ihr Ziel klar vor Augen - das Drogengeschäft.
Schließlich stellte sich heraus, dass der Deal am 19. Oktober 1982 über die Bühne gebracht werden sollte. Ohne es wirklich zu realisieren, war DeLorean immer tiefer in die Drogengeschichte hineingeraten. Der Druck, der sich in ihm aufbaute, war enorm. Tief im Inneren befürchtete er, dass er den 19. Oktober nicht überleben würde. Mit dem Verlust seiner Firma und dem möglichen Tod konfrontiert, war DeLorean allerdings noch immer nicht bereit, aufzugeben. Um seine vermeintlichen Mörder nicht ungestraft davonkommen zu lassen, schrieb er einen Brief an seinen Anwalt, in dem er detailliert beschrieb, was vorgefallen war. Der Brief verlieh ihm womöglich ein wenig Macht über die Verbrecher, ein wenig Einfluss, um seine Familie zu beschützen oder gar Rache vom Grab aus zu nehmen, falls das Schlimmste eintreten sollte.
Am Morgen des 19. Oktobers gab John DeLorean den Brief persönlich in Toms Büro in Manhattan ab, ehe er zum Flughafen fuhr und nervös das Flugzeug nach Los Angeles bestieg. Der Showdown begann... |