Ein Schock. Ein betäubender Schock. Das Vorlesen der Rechte. Die Suche nach Waffen. Die Handschellen. Der Gang zum Auto.
(DeLorean Autobiografie, S.221)

Es waren keine fünf Minuten seit der Verhaftung vergangen, da hielt das FBI bereits eine Pressekonferenz bezüglich DeLoreans Verhaftung ab. Alles war genaustens geplant worden. Damit die Angehörigen und Anwälte nicht zu DeLorean vordringen konnten, wurde dieser von einer Haftanstalt zur anderen verlegt. Letzten Endes landete er in der Federal Holding Facility auf Terminal Island.

Als die Realität schließlich durchsickerte, dachte ich schmerzerfüllt an Zachary, Kathryn und Cristina. Ich fragte mich, was sie wohl durchmachten, seitdem sie die Nachricht von meiner Verhaftung vernommen hatten. So benommen ich auch war: Ich verstand sehr gut, was geschehen war. Ich war hereingelegt und mein Kampfgeist auf den Höhepunkt getrieben worden. Aber irgendwo da draußen war meine Familie und sie kannte nur Schmerz. Im Innern stand mein Leben still, da draußen jedoch war die Welt wahnsinnig geworden. Was für ein Grauen meine Familie durchleben musste!

Wie ich später erfuhr, hielt sich Cristina zu jener Zeit mit unseren zwei Kindern, dem Kindermädchen und Maur Dubin, einem engen Familienfreund, in unserem Appartement in New York auf. Sie hatte für Maur eine Geburtstagsparty organisiert, an der ich ursprünglich hatte teilnehmen wollen. [...] Es war am 19. Oktober um genau 20.15 Uhr. Während alle am Esstisch saßen, rief ein Reporter der 'New York Post' an. Er bat, mit Maur Dubin sprechen zu dürfen, da er diesen kannte. [...] Maur nahm den Anruf letzten Endes in der Speisekammer entgegen. Der Reporter berichtete ihm von meiner Verhaftung, welche Maur für einen geschmacklosen Streich hielt, den ihm der Reporter auf Grund seines Geburtstages spielte. Er legte auf und kehrte ohne ein Wort zum Esstisch zurück.

Der Reporter aber rief erneut an und bat diesmal, Cristina sprechen zu dürfen. Maur erkannte schließlich, dass der Journalist mit seinem Streich nicht so weit gehen würde und nahm den Anruf erneut entgegen. Diesmal sagte der Reporter: "Sie haben ihn in L.A. festgenommen."

Cristina fühlte, dass irgendetwas nicht stimmte und lief zu Maur, um den Anruf mitzuhören. "Es ist John", sagte sie. "Ist er tot?"

"Nein", antwortete Maur. "Aber möglicherweise wünscht er sich, dass es so wäre. Du solltest die Kinder besser schnell zu Bett bringen. Hier wird in Kürze die Hölle los sein. Es geht um Drogen."

Cristina konnte ihre Tränen nicht zurückhalten. "Sie haben ihn hereingelegt", weinte sie. [...] Durch das Appartement hetzend führte sie drei hektische Telefonate – die Anrufe galten ihrer Mutter, einem Freund, der sie in Los Angeles empfangen sollte und der Airline. Um 20.45 Uhr war sie aus dem Haus und in einem Taxi. Mit der unangeschnittenen Geburtstagstorte und den unangezündeten Kerzen lag die fröhliche Festtagsszene in Finsternis.
(DeLorean Autobiografie, S.222-223)

Die Verhaftung von John DeLorean war sorgfältig vorbereitet worden, damit man Pressekonferenzen halten, Fernsehprogramme unterbrechen und effektiv die Medien ausnutzen konnte. Die Bundesagenten hatten eine Vielzahl an Reportern zusammengetrommelt, so dass sie bereits kundgeben konnten, was vor sich ging, als FBI-Agent West noch die Tür zum Hotelzimmer öffnete. Durch die Erzeugung dieser ganzen Publicity sorgten die Bundesagenten natürlich für eine Art der Berichterstattung, aus der die Annahme einer klaren Schuld hervorging. "Die hätten niemals eine solche Ver- haftung durchgeführt, wenn sie sich nicht sicher gewesen wären, dass er schuldig ist", erklärten die Zuschauer und Leser. "Schließlich ist er so berühmt. Die hätten es nicht gewagt, ihn zu verhaften, wenn er nicht schuldig wäre." DeLorean selbst war in einem Schockzustand. Auf Terminal Island besserte sich seine Situation letztlich. Zu seinen Zellenkameraden zählten hier ein großer und starker Mann, der wegen mehrfachen Mordes verurteilt worden war, ein junger Schweizer, der Computergeheimnisse an eine fremde Regierung verkauft hatte sowie ein armenischer College-Professor, der versucht hatte, eine Bombe im Los Angeles International Airport zu legen. Die wichtigste Person war für DeLorean allerdings ein junger Nachtwächter, der ein Priesterseminar besuchte und im Gefängnis einen Bibelkreis einführte. Denn mit dem Lesen der Bibel begann für DeLorean die "Wallfahrt des Verstehens".

Ich machte die Bibel zum Mittelpunkt meiner täglichen Aktivitäten. Während der zehn Tage, die ich im Gefängnis saß, gab es dafür drei Gründe: Erstens hatte ich nichts anderes zu tun und dies schien ein idealer Weg zu sein, um die Zeit zu überbrücken. Zweitens machte sich in mir eine intensive und wachsende Wissbegierde über Gott bemerkbar, hinsichtlich derer ich Antworten finden musste. Und drittens erkannte ich, dass alles, was ich geschätzt hatte, alles, was ich zu verstehen geglaubt hatte, nicht länger eindeutig war. Ohne Zweifel lief irgendetwas in meinem Leben falsch.

[...]

Über das Geschehene meditierend realisierte ich, dass ich, John DeLorean, ein stolzer und arroganter Scharlatan war. Ich hatte mir selbst eingeredet, meine Ziele seien nobel. Ich hatte hochtrabend von meiner Liebe zum irischen Volk gesprochen. All meine Aussagen hatten richtig geklungen und den Anschein erweckt, meine Motive seien von reiner und guter Natur. Doch tief im Innern hatte ich es doch alles für mich selbst getan. Für John DeLorean. Ich hatte eine Lüge gelebt. Ich war egomanisch und außer Kontrolle. [...] Als ich über meine Taten nachdachte, kam ich zu der Erkenntnis, dass ich nicht wirklich ein "Weltverbesserer" gewesen war. Vielmehr hatte ich ständig versucht, mein eigenes Ego zu befriedigen. Ich hatte immerzu auf eine Art und Weise agiert, durch welche die Menschen, die ich nicht sonderlich mochte, gezwungen waren, sich aufzurichten und Notiz zu nehmen. Ich hatte sie verspottet, ohne mir dabei meine eigenen Motive einzugestehen.

[...]

Stunde für Stunde saß ich in meiner Zelle, dachte nach und bat um Vergebung, als ich mich erstmals so sah, wie ich wirklich war. Zum ersten Mal in meinem Leben war ich bereit, das Kontrollenspiel aufzugeben. Ich war bereit, nicht länger auf meinen Stärken und Wünschen zu beharren. Ich übergab die Kontrolle über mein Leben an Gott und ließ mich von Ihm führen, anstatt die Arroganz zu haben, meinen eigenen Weg mit der Erwartung zu gehen, dass Gott folgt. Zum ersten Mal in meinem Leben war ich wirklich bereit, Christus zu folgen, ganz gleich, was das bedeuten und wohin mich das führen mochte.

[...]

Als mich die Essenz davon schließlich überkam, stand ich mit geöffneter Bibel auf der oberen Schlafkoje meiner Zelle. Im Wechsel las ich und dachte über mein Leben nach, reumütig für die Dinge, die ich falsch gemacht hatte und fest entschlossen, mich zu ändern. Zum ersten Mal in meinem Leben öffnete ich mich Gott. Und dann fühlte ich seine Präsenz.

Eine starke, wärmende Umarmung umhüllte meinen Körper von Kopf bis Fuß. Ich war ein von den Elementen gekühlter Mensch, aber urplötzlich eingewickelt in ein beruhigendes Gewand aus Kraft und Licht. Ich war angefüllt mit einem Gefühl von Liebe, Schutz und Frieden. Ich sah niemanden, hörte nichts und wusste dennoch im Mittelpunkt meiner Existenz, dass alles in Ordnung war. Ich wusste, dass Jesus zu mir sprach, mich beruhigte und mir mitteilte, dass alles gut gehen würde. Die Gerichtsverhandlung, meine Familienbelastung, das Leben, das ich noch immer zu führen hatte – all das würde auf Wegen funktionieren, die ich noch nicht begreifen konnte. Ich fühlte mich geheilt, geborgen und vor dem Bösen beschützt – ich musste nur den Rest meines Lebens Hand in Hand mit Jesus gehen. Mir wurde ein Seelenfrieden zuteil, der von den Gitterstäben meiner Zelle, der Macht meiner Ankläger und von der Habgier meiner Firmenkritiker nie mehr zerstört werden konnte. In den Tiefen meiner Hoffnungslosigkeit wurde ich in ein Tuch aus spirituellem Licht eingehüllt und würde nie mehr derselbe sein.

Dauerte Seine Umarmung fünf Minuten oder fünfundzwanzig Minuten an? Ich habe keine Ahnung. Zeit war bedeutungslos. Letzten Endes war ich wieder allein in meiner Zelle und dennoch nicht allein. Sicher. Friedlich. Angefüllt mit Liebe von Christus, die ich über viele Jahre hinweg anzunehmen verweigert hatte. Glück und Erleichterung überwältigten meinen Körper. Ich fühlte mich physisch erschöpft, aber mein Geist leuchtete in einem völlig neuen Licht.

[...]

Ich war noch immer im Gefängnis. Ich war noch immer mit der Tortur einer Gerichtsverhandlung konfrontiert. Meine Firma war noch immer zerstört. Aber nichts von alldem war nun von Bedeutung. Durch die Übergabe der Kontrolle über mein Leben an Gott war ich einen Riesenschritt vorangekommen. Mir war ein neues Leben zuteil geworden, das ich durch persönliche Leistungen nie hätte erreichen können. Und dann schlief ich. Ein tiefer, gemütlicher Schlaf, erwärmt von der inneren Glut Gottes.

Am nächsten Tag begutachtete Cristina mein Gesicht im Besuchsraum und meinte, noch bevor ich ein Wort herausgebracht hatte: "Was ist mit dir passiert? Du siehst zwanzig Jahre jünger aus. Du leuchtest. Du scheinst überhaupt nicht besorgt!" Sie schien außer sich vor Freude zu sein, als ich ihr mitteilte, was in meiner Zelle vorgefallen war.

[...]

Trotz der Probleme, mit denen ich konfrontiert wurde, war ich so glücklich, dass ich auf die Straße rennen und Christus' Macht verkünden wollte. Doch ich wusste, dass ich das nicht konnte. Wäre ich mit meiner Aussage vor dem Gerichtsverfahren an die Öffentlichkeit gegangen, hätte dies eine Verspottung meines neuen Lebens hervorgerufen. Die Nachricht wäre missverstanden worden. Ich musste zuerst meine Unschuld vor Gericht beweisen – meine Taten sollten Zeugnis meines Sinneswandels sein und mehr sagen als Worte – ehe ich meinen Glauben an die heilende Kraft von Christus frei verkünden konnte.
(DeLorean Autobiografie, S.226, 228-230, 232)

Nach ungefähr zehn Tagen (der Fabrikbetrieb in Nordirland war in der Zwischenzeit endgültig auf Anlass der Britischen Regierung eingestellt worden) wurde John Z. DeLorean auf Kaution freigelassen. Cristina war es gelungen, die skandalöse Summe von 10 Millionen Dollar aufzutreiben. Zum Vergleich: Als das FBI im Jahr 1985 die fünf größten Mafiabosse der Welt verhaftete, Männer, die in schier jedes denkbare Verbrechen verwickelt waren, entsprach die höchste Kautionssumme lächerlichen 2 Millionen Dollar. Offenbar wollte die Regierung DeLorean das Geld für die Verteidigung nehmen. Um die 10 Millionen Dollar aufbringen zu können, hatte John DeLorean sämtliche Immobilienbesitze zu entsetzlich niedrigen Preisen auflösen und seine Anteile an den New York Yankees verkaufen müssen. Darüber hinaus wurde dem Amerikaner eine Einkommenssteuerstrafe auferlegt, die ungeheuerlich war. Doch DeLorean befand sich wieder auf freiem Fuß. Jetzt musste er der Welt beweisen, dass er unschuldig war.



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