John DeLoreans ehemalige Sekretärin, Carole Winkler, war die erste Zeugin der
Verteidigung. Sie sagte über das von ihr angefertigte Telefonprotokoll aus, das Teil des
Beweismaterials war. Als sie von Staatsanwalt Walsh befragt wurde, versuchte dieser die Zeugin
vehement in Verruf zu bringen. Winkler war jedoch derart aufrichtig und ehrlich, dass sich Walsh
letztlich nur die Geschworenen zum Feind machte.
Am 31. Juli 1984 rief die Verteidigung schließlich einen Mann namens Gerald
Scotti in den Zeugenstand. Scotti hatte als DEA-Agent an der Seite Valestras gearbeitet,
jedoch gekündigt, nachdem er sich kritisch über die DeLorean-Ermittlung geäußert hatte und hierfür
bösartig attackiert worden war. Vor Gericht erklärte Scotti, Hoffman habe ihm bereits vor Beginn der
Ermittlung hochmütig mitgeteilt, er werde sich DeLorean vorknöpfen.
Scotti fuhr fort: "Wir diskutierten ausgiebig über dieses Thema. Ich glaubte ihm nicht und warf ihm wiederholt vor, er rede Blödsinn.
Er aber blieb stur und meinte: 'Nein, nein, ich werde das tun. Ich werde euch John DeLorean liefern.' Ich erinnere
mich, ihn gefragt zu haben: 'Sprechen wir vom selben Mann? Dem Mann mit der Automobilfirma?' Und er antwortete:
'Ja, das ist der Kerl.' Er schien sich diesbezüglich viel Wissen angeeignet zu haben. Er fragte mich: 'Haben Sie
es nicht gehört? Lesen Sie keine Zeitung? Er ist in großen finanziellen Schwierigkeiten.' Er erwähnte - ich fragte
ihn in etwa: 'Wie wollen Sie auch nur in die Nähe eines solchen Mannes kommen?' Und er antwortete, er sei ihm
schon einmal begegnet. Ich fragte: 'Weiß er, dass Sie mit Drogen zu tun hatten?' Und er antwortete: 'Nein, nein, er
würde mit mir nichts zu tun haben wollen. Es würde ihn abschrecken.'"
Endlich kam die Wahrheit heraus. Ein DEA-Agent, der von Beginn an am Fall mitgearbeitet hatte, gab zu,
dass ich über Hoffmans Drogengeschäfte nicht unterrichtet war. Hoffman selbst hatte zuvor gestanden,
ich sei nicht über seine kriminelle Vergangenheit informiert gewesen. Nichtsdestotrotz hatte seinerzeit niemand
an seiner Behauptung gezweifelt, ich habe ihn für die Abwicklung eines Drogengeschäfts engagiert.
(DeLorean Autobiografie, S.305-306, 307-308)
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Seiner Aussage zufolge hatte Scotti Hoffman nach diesem ersten Gespräch einige Wochen lang aus den Augen verloren.
Dann allerdings war er beauftragt worden, Hoffman für dessen Arbeit als Informant in der DeLorean-Ermittlung zu
entlohnen. Daraufhin war er neugierig geworden und hatte erneut das Gespräch mit Hoffman gesucht.
"Er [Hoffman] verhielt sich sehr überheblich", sagte Scotti. "Er verwies auf das Gespräch, das wir zuvor geführt
hatten und sagte: 'Sie haben mir nicht geglaubt, aber ich habe Ihnen von Beginn an gesagt, dass ich es tun werde.'"
"Dass er was tun wird?", fragte Howard.
"Dass er uns DeLorean liefern wird."
[...]
Scotti sagte aus, Hoffmans Vorgehensweise, mir durch angebliche Kontakte die Rettung meiner Automobilfirma in
Aussicht zu stellen, habe für ihn wie ein Köder ausgesehen. "Er sagte, er habe einige Male mit ihm [DeLorean]
gesprochen. Ich fragte ihn: 'Haben Sie irgendetwas gegen ihn in der Hand?' - Ich glaube, ich forderte ihn sogar
heraus. Ich sagte: 'Sie haben noch immer keinen Fall gegen den Mann.' Und er meinte: 'Nein, das ist ein
harter Brocken. Ich habe ein wenig Schwierigkeiten.' Doch er fügte hinzu, er werde ihn kriegen und erklärte, dass
er [DeLorean] sich äußerst widerwillig verhalte."
(DeLorean Autobiografie, S.306)
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Durch Gerald Scottis Aussage erhielt die Jury einen tiefen Einblick in die DeLorean-Ermittlung.
So berichtete der ehemalige Agent beispielsweise von der Vorfreude der Agenten auf die
Beförderungen, welche ihnen die Verhaftung des Automobilmanagers bescheren sollte. Auch
Staatsanwalt James Walsh bekam sein Fett weg. Scotti erklärte, Walsh habe zur Feier der
Festnahme gemeinsam mit zwei Spezialagenten dreihundert Dollar der Regierung für Wein ausgegeben und
stolz verkündet, er komme dank dieser Geschichte auf das Cover des Time-Magazins.
Die Staatsanwälte Walsh und Perry hatten Scottis Aussagen nichts entgegenzusetzen. Sie
wussten, dass er die Wahrheit sagte. Also versuchten sie ihn vor Gericht emotional
zu zerstören. So war Scotti im Zeugenstand oftmals den Tränen nahe, als er von Walsh
über private Probleme befragt wurde, die ein enger Freund beim FBI ausgeplaudert haben musste.
Der einzige Grund für die Thematisierung dieser Probleme war die Absicht, Scotti zu verletzen und sein Ansehen als
Zeuge der Verteidigung zu zerstören. Um ihre eigenen Ziele zu erreichen, hatte die Regierung einen loyalen und
wertvollen Mitarbeiter ihres eigenen Teams verraten. Noch verletzender war jedoch die Tatsache, dass der Verrat von
Waters ausging, einem Mann, den Scotti als engen Freund betrachtet hatte.
In Bezug auf diesen Freund fragte Howard: [...] "Überrascht es Sie, dass er diese Informationen preisgegeben hat?"
Scotti antwortete leise: "Ich bin mir nicht sicher, ob ich ihn noch kenne."
"Wie meinen Sie das?", fragte Howard.
Im Gerichtssaal herrschte Stille. Die Geschworenen waren sichtlich bewegt. Erst das Wort "Einspruch" zerrüttete die
allgemeine Gemütslage. Der Staatsanwalt meinte, die Stellungnahme sei für meinen Prozess nicht von Bedeutung.
Ich vermute jedoch, er fürchtete sich vor dem Einfluss, den eine Fortsetzung des Dramas auf die Geschworenen ausüben
konnte.
Richter Takasugi überstimmte den Einspruch und Scotti sagte: "Ich wusste, dass die Regierung alles in ihrer Macht
stehende tun würde, um Mr. DeLorean strafrechtlich verfolgen zu können, aber ich dachte immer, es habe eine Grenze
gegeben, einen Punkt, der nicht überschritten wurde. Nun bin ich mir da nicht mehr so sicher."
(DeLorean Autobiografie, S.312-313)
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Gerald Scotti war für die Verteidigung ein immens wichtiger Zeuge. Er hielt den Angriffen der Staatsanwalt- schaft
stand und beantwortete alle Fragen derart aufrichtig, dass die Geschworenen keine Sekunde lang an seiner
Glaubwürdigkeit zweifelten. Als er den Zeugenstand verließ, war der Fall so gut wie gelaufen.
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