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Für einen Prozess und die ersten negativen Schlagzeilen über die DeLorean Motor Company sorgte der GPD-Skandal
im September 1981. Grund für die Aufruhr war eine Transaktion aus dem Jahr 1978 und ein
Memo aus dem Jahr 1980, das von William "Bill" Haddad, dem DMC-Manager der
Öffentlichkeitsarbeit verfasst worden war. Natürlich wurden viele Geschichten über diesen
Skandal geschrieben und wie so oft unterscheiden sich diese auch voneinander. Doch dazu
später mehr.
Im Wesentlichen handelte es sich beim GPD-Skandal um die Veruntreuung von Geldern, welche von der Britischen Regierung für die Finanzierung der DeLorean Motor Company zur Verfügung gestellt worden waren. Die Weichen für diese Finanzierung waren im Juli 1978 gestellt worden, als die DMC mit der Britischen
Regierung einen Vertrag ausgehandelt
hatte. Zum damaligen Zeitpunkt war sich die Firma von John DeLorean auch mit Lotus hinsichtlich
der Über- arbeitung des Prototyps einig geworden. Für diese Arbeit verlangte Lotus eine
Summe von 17,65 Millionen Dollar. Folglich überwies die DeLorean Motor Company im Oktober
1978 17,65 Millionen Dollar der britischen Gelder, allerdings nicht direkt an Lotus,
sondern an eine Genfer Firma namens GPD Services. An sich war das kein Problem, später stellte man jedoch fest,
dass DeLorean mit 8,5 der 17,65 Millionen Dollar die Logan-Pistenraupenabteilung der Thiokol Chemical Company (später Logan Manufacturing Company)
in Salt Lake City erworben hatte. Trotz der verdächtigen Umstände sollte es noch
drei Jahre dauern, bis die GPD-Transaktion erstmals das Interesse der Öffentlichkeit
weckte.
Begonnen hatte jedenfalls alles am 26. Dezember 1980, als der PR-Manager der DMC, William Haddad, ein Memo verfasste, in welchem er sich kritisch über den Umgang mit Geldern der Britischen Regierung äußerte und erstmals in diesem Zusammenhang die GPD-Transaktion erwähnte. Was dann geschah ist unklar. DeLorean schrieb in seiner Autobiografie zunächst, dass das Haddad-Memo eine Fälschung gewesen sei.
Im Buch "Stainless Steel Illusion" bekräftigt Mike Knepper, ein ehemaliger DMC-Manager, diese Meinung: "Das Memo - ich sah das Original, als ich von Scotland Yard in New York befragt wurde - war unsigniert. Haddad sagte, er habe es abgeschickt, DeLorean meinte, er habe es nie empfangen und in der Tat trug das Original nicht den üblichen Stempel, der auf allen von Johns Dokumenten landete, wenn diese in die Hände seiner Sekretärin gelangten."
DeLoreans Autobiografie zufolge gab Haddad die Falschheit des Memos gegenüber Scotland
Yard zu, was dieser jedoch in seinem Buch ("Hard Driving - My Years With John DeLorean")
vehement bestreitet. Feststeht dagegen, dass Marian Gibson, eine DMC-Firmensekretärin
englischer Herkunft, im September 1981 plötzlich entschied, vertrauliche Dokumente aus
den Büros verschiedener DMC-Manager zu entwenden und diese in London einem
Parlamentsmitglied vorzulegen. Haddad behauptete, sie habe so gehandelt, da sie ihr
Heimatland von der "bedrohlichen Lage" in Kenntnis setzen wollte. DeLorean dagegen
schrieb, Haddad habe sie zu der Tat angestiftet und mit falschen Informationen
gefüttert. Dies könnte insofern der Wahrheit entsprechen, da es William Haddad war, der Gibson einen
zweiwöchigen Urlaub in England zugesprochen hatte.
Letzten Endes wandte sich Marian Gibson an Nicolas Winterton, ein Mitglied des britischen Parlaments. Ihm gegenüber behauptete sie, John DeLorean habe Firmenschecks für Schmuck und Kunstwerke eingelöst.
Außerdem erwähnte sie die GPD-Transaktion und übergab ihm sämtliches
entwendetes Beweismaterial. Viele der Dokumente stellten sich zwar auf den ersten Blick als unbrauchbar heraus, das
Haddad-Memo aber erschien Winterton interessant. Er versprach, das Beweismaterial zu prüfen und die
Premierministerin, Margaret Thatcher, zu informieren. Marian Gibson
war zufrieden. Sie flog zurück nach New York und erwartete in den nächsten Tagen die
entsprechenden Zeitungsschlagzeilen. Doch diese blieben aus. Winterton war es auch nach einer Woche
noch nicht gelungen, Thatcher zu benachrichtigen, da diese zum damaligen Zeitpunkt eine Auslandsreise in Australien
unternahm. Gibson wusste hiervon nichts und wurde in New York langsam ungeduldig. Sie teilte ihre Story
schließlich ohne Vorwarnung mit dem Journalist John Lisners, der sie an die englische Sonntagszeitung
"News Of The World" verkaufte. Diese entschied sich jedoch gegen die Veröffentlichung des Artikels.
Dennoch sickerten in der Folge die ersten Details durch. Am Abend des 4. Oktobers 1981 nahmen sich
daraufhin die ersten Radio- und TV-Sender des Themas an.
Als Lisners erkannte, dass sein Artikel nicht von der "News Of The World" gedruckt werden würde, suchte er nach neuen Interessenten und verkaufte die Story schließlich an den "Daily Mirror". Der "Mirror" teilte Lisners mit, er könne am folgenden Dienstag mit seinem Artikel rechnen. Die "New York Times" kam dem "Mirror" allerdings mit einem kurzen Artikel in der Montagsausgabe (5. Oktober 1981) zuvor, welcher für eine gewaltige Unruhe im Vereinigten Königreich sorgte, die natürlich auch John DeLorean nicht verborgen blieb. In einem ersten Statement ließ der Chef der DeLorean Motor Company verlauten, dass die Anschuldigungen falsch seien und für einen schlechten Ruf bei den Banken sorgen würden. Er wies daraufhin, dass wichtige Kreditzahlungen auf dem Spiel stünden und das aktuelle Gerücht zu einer schwierigen Situation in Nordirland führen könne. Die Britische Regierung gab daraufhin bekannt, dass man derzeit lediglich eine "Routineuntersuchung" durchführe. Spätestens am Mittwoch zierte die DeLorean Motor Company in England jedoch sämtliche Zeitungstitelseiten.
Als sich der "Daily Mirror" am 9. Oktober 1981 endlich dazu entschloss, Lisners
Gibson-Story zu drucken, flog DeLorean nach London, um "aufzuräu- men". Am 11. Oktober
druckte der "Sunday Telegraph" erstmals einen Artikel über die GPD-Transaktion. Ein Tag später
veröffentlichte die "Daily Mail" DeLoreans Verschwörungstheorie,
derzufolge irgendjemand der DeLorean Motor Company den Erfolg missgönnte. Die "London
Times" verteidigte DeLorean daraufhin und betonte, dass man nicht nur die DMC, sondern
auch diejenigen hinterfragen müsse, die diese Geschichte in die Welt gesetzt hatten.
Am 13. Oktober 1981 erklärte der Director of Public Prosecutions (DPP) John Zachary DeLorean nach einer durchgeführten Untersuchung für gänzlich unschuldig und fügte hinzu: "Es konnte kein Fehlverhalten festgestellt werden." Diese Aussage wurde sowohl von Scotland Yard, als auch von der Britischen Regierung bestätigt. DeLorean machte sich mit dieser freudigen Kunde schnellstens auf den Weg zum Heathrow-Flughafen, um mit dem nächsten Flugzeug nach Belfast zu fliegen und die Arbeiter in der Fabrik zu benachrichtigen. Auf einer Pressekonferenz in der nordirischen Hauptstadt äußerte sich DeLorean dann auch zur GPD-Transaktion, indem er klarstellte, dass diese von sämtlichen Rechnungsprüfern genehmigt worden sei. Er versicherte, dass der einzige Vorteil, den er durch diese Transaktion erhalten habe, die unglaubliche Arbeit von Lotus gewesen sei. Als er auf die Verschwörungstheorie angesprochen und gefragt wurde, wer für diese Verschwörung verantwortlich sei, entgegnete DeLorean: "Es könnte ein Land sein." "Welches Land?", wurde er gefragt, doch darauf wusste der Automobilmanager scheinbar keine Antwort. Die GPD-Transaktion geriet für zwei Jahre in Vergessenheit. Erst im August 1983, nach DeLoreans Festnahme und dem Untergang der DeLorean Motor Company, kamen wieder Fragen bezüglich der 17,65 Millionen Dollar
auf. Zahlreiche Investoren wollten ihr Geld zurück und sahen in der Vermu- tung, DeLorean habe einst Gelder
veruntreut, einen Grund für eine aussichts- reiche Klage. Da es sich bei den fehlenden Millionen jedoch um Finanzmittel der Britischen
Regierung handelte, entschied ein Richter, dass mit Ausnahme von dieser niemand Ansprüche geltend machen konnte.
Für die Regierung glich dies natürlich einer Einladung. Ihrem Statement aus dem Jahr 1981 ("Es konnte kein
Fehlverhalten festgestellt werden") zum Trotz, reichte sie im September 1985 Klage ein. John Z. DeLorean, der zum damaligen
Zeitpunkt gerade seine Autobiografie veröffentlicht hatte, sah sich mit weiteren 15 Anklagepunkten konfrontiert.
Das Verfahren sollte ferner in den Vereinigten Staaten stattfinden, folglich avancierte einmal mehr die US-Regierung zum Kläger.
Der Prozess begann am Morgen des 7. Oktobers 1986 um 8.30 Uhr. Als John DeLorean das U.S. District Courthouse von Detroit betrat, erklärte er gegenüber Reportern: "Sie haben mich in Kalifornien reingelegt, nun versuchen sie es hier." Für DeLoreans Verteidigung sorgte erneut Howard Weitzman, der durch den Prozess im
Jahre 1984 zum Staranwalt aufgestiegen war. Auch im Verlauf dieser Gerichts- verhandlung versuchte die Regierung zudem mit allen
Mitteln, die Jury zu einem Schuldigspruch zu bewegen. Sie rief nicht nur 27 Zeugen auf und präsentierte der
Jury über 4.000 Dokumente, sondern wurde ferner wiederholt bei der Fälschung von Beweismaterial sowie der bewussten
Vorenthaltung von über 600 entlastenden Schriftstücken ertappt. Die Verteidigung von John Z. DeLorean fiel eher spärlich aus. Howard Weitzman rief nur einen einzigen Zeugen in den
Zeugenstand, einen FBI-Agenten namens Richard Eggleston. DeLorean selbst verzichtete, wie bereits im Kokainprozess zwei
Jahre zuvor, auf eine Aussage. Offenbar vertrat sein Anwalt- team, dem im Übrigen
auch eine junge Anwältin aus San Diego, Juanita Brooks, angehörte, die Meinung, dass eine Stellungnahme des Angeklagten
im aktuellen Fall abermals nicht vonnöten wäre.
Die Regierung versuchte in Person der Staatsanwälte Joseph Papelian und Sheldon Light darzulegen, dass John DeLorean allein das System ausgearbeitet hatte, mit dem er und Lotus-Gründer Colin Chapman angeblich die
Millionen der Britischen Regierung veruntreut hatten. Weitzman dagegen verteidigte DeLorean auf der Grundlage, sein Klient habe die 8,5 Millionen Dollar, welche
später dem Kauf der Logan Manufacturing Company ge- dient hatten, durch ein rechtmäßiges Darlehen von
Chapman erhalten. Chapman selbst habe man als Gegenleistung eine Kaufoption für Anteile an der DeLorean Motor Company
ausgestellt. Dies konnte Weitzman gar mit Hilfe eines Dokuments belegen, das die Staatsanwaltschaft in der Folge
jedoch als Fälschung bezeichnete. Auf eine Aussage von Chapman musste verzichtet werden. Er war am
16. Dezember 1982 an einem Herzinfarkt gestorben. Da seinem Mandanten im Falle einer Verurteilung eine
lange Haftstrafe drohte, unterstrich Weitzman in seinem Schlussplädoyer nochmals DeLoreans Unschuld.
Dann zogen sich die Geschworenen zur Beratung zurück.
Am 18. Dezember 1986 wurde John Zachary DeLorean schließlich von allen Anklagepunkten freigesprochen.
Interessant ist allerdings, wie es zu diesem Urteilsspruch kam. Der "Detroit Free Press" zufolge
hatten die Geschworenen die letzten Anweisungen des Richters missverstanden und
geglaubt, es müsse ein einstimmiges Urteil gefällt werden. Dies war jedoch in Wahrheit
nicht notwendig. Im Laufe ihrer sechstägigen Beratungen war John Z. DeLorean daraufhin nur von 9 der 12 Geschworenen
für unschuldig befunden worden. Damit sie letzten Endes das "geforderte" einstimmige Urteil erreichten, hatten
sich besagte drei Juroren, die zu einem Schuldigspruch neigten, der vorherrschenden Meinung ihrer neun Kollegen angeschlossen,
wodurch der Angeklagte von neuem mit einer weißen Weste davonkam.
Man könnte glauben, der GPD-Skandal wäre mit dem Freispruch endgültig zu den Akten gelegt worden. DeLorean war für unschuldig befunden worden und Chapman tot. Auch der Versuch, DeLorean nach dem Freispruch in den Vereinigten Staaten nun in England vor Gericht zu zerren, schlug fehl: Der zuständige Richter
Gibson wies die Anklage in London wegen absichtlicher
Fälschung von Beweis-material ab. Malcomb Schade, der Anwalt der Britischen Regierung, zog daraufhin vor das
Britische Berufungsgericht, nur um herauszufinden, dass auch dieses die Meinung von Richter Gibson vertrat.
Schade warf man in diesem Zusammenhang auch noch eine persönliche Fehde mit John DeLorean vor. Dementsprechend gab es niemanden mehr, den man
irgendwie zur Verantwortung ziehen konnte. Die Britische Regierung war verzweifelt. Als sie auch in den
Neunzigern noch dem Ziel nachging, ihre Investition in das DeLorean-Projekt zurückzugewinnen, ver- klagte sie
die Firma Arthur Andersen, den ehemaligen Rechnungsprüfer der DMC. Um den folgenden Prozess
jedoch gewinnen zu können, mussten die Briten einen Betrug aufdecken, den die Firma Andersen hätte
verhindern können. Man griff erneut auf die GPD-Transaktion zurück. Diesmal musste Fred Bushell herhalten.
Bushell war vor dem Tod Chapmans dessen verlängerter Arm gewesen. Als Manager der Finanzen hatte er die Firma Lotus zudem aus der einen oder anderen Misere gerettet. Anfang der achtziger Jahre hatte er allerdings vor dem Finanzamt ausgesagt, keine Kenntnisse über ein Unternehmen namens GPD zu besitzen. Später war das Finanzamt jedoch in der Lage, nachzuweisen, dass die Firma damals bereits seit 25 Jahren im Besitz von Chapman und Bushell gestanden hatte. Die Briten hatten ihr Opfer gefunden. Im Jahr 1992 wurde gegen Bushell ein Verfahren in Belfast eingeleitet. Er wurde zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Seine Haftstrafe saß er von 1992 bis 1995 ab. Mit Beendigung des Bushell-Verfahrens wurde die GPD-Transaktion endgültig ad acta gelegt. Obwohl man John Zachary DeLorean nie irgendein Fehlverhalten nachweisen konnte und obwohl er vor Gericht von jeglicher Schuld freigesprochen wurde, wird sein Name noch heute, hauptsächlich in England, mit der Veruntreuung von Geldern der Britischen Regierung in Verbindung gebracht. |