"Alles begann, als ich noch in Antrim wohnte und dort eine Arbeit in der British Enkalon Fabrik ausübte", erinnert sich Neal Barclay, ein ehemaliger Mitarbeiter der DeLorean Motor Cars Ltd (DMCL). "Eines Tages unterhielt ich mich mit einem Kollegen, welcher mir erzählte, dass die DeLorean Motor Company in der Gegend nach Arbeitern suche. Viele Fabriken machten damals dicht, also bemühte ich mich um ein Bewerbungsformular." Ein erstes Vorstellungsgespräch verlief sehr positiv und brachte Neal in die engere Auswahl. Er wurde zu einem zweiten Vorstellungsgespräch eingeladen, welches darin resultierte, dass ein überglücklicher Neal letzten Endes die Position des 'Traffic & Dispatch Operators' erhielt.

Am 16. März 1981 trat Neal Barclay erstmals seine Arbeit auf dem Fabrikgelände der DMCL an. Seine Aufgabe bestand darin, die gefertigten Fahrzeuge aus den Fabrikhallen zu fahren und für den Transport vorzubereiten. "Ein Traum", meint Neal heute. Und als am 19. April (Ostersonntag) die ersten Fahrzeuge den Hafen von Belfast in Richtung Westküste der Vereinigten Staaten verließen, war Neal mit seinem Fotoapparat vor Ort: "Ich wusste, dass hier Geschichte geschrieben wurde. Dies war der Tag, von dem viele geglaubt hatten, er würde nie kommen. Der erste in Nordirland gefertigte Sportwagen wurde nach Amerika verschifft." Historisch interessant war insbesondere das Datum, denn fast auf den Tag genau 69 Jahre zuvor hatte eine gewisse Titanic die Docks von Belfast verlassen. Dass das DeLorean-Projekt bald ein ähnliches Schicksal wie das in Ulster gebaute Passagierschiff erleiden sollte, konnten Neal und dessen Arbeitskollegen an diesem sonnigen 19. April noch nicht ahnen, daher war besagte erste Lieferung von DeLorean-Fahrzeugen zurückblickend "der wohl schönste Arbeitstag unseres Leben."


Diese Fotos nahm Neal Barclay am 19. April 1981 am Hafen von Belfast auf, als die ersten DeLoreans per Frachter Nordirland verließen.


Eine weitere Anekdote bietet der Mai 1981, in welchem der IRA-Aktivist Bobby Sands nach einem Hungerstreik im Gefängnis gestorben und ein Bürogebäude der DMCL durch Brandbomben von Jugendlichen zerstört worden war. Neal wurde damals darum gebeten, bei den Aufräumarbeiten zu helfen; er packte mit an und erhielt zum Dank ein seltenes Foto, welches aus den Trümmern geborgen werden konnte und einen Pre-Production DeLorean zeigt. "Ich nahm es mit nach Hause und säuberte es", so Neal. "Seitdem hängt es an der Wand meines Wohnzimmers. Für das Eurofest 2006 brachte ich es allerdings erstmals seit 25 Jahren wieder zurück in die Fabrik."

Über die im Februar 1982 erfolgte Konkursverwaltung meint Neal heute: "Es war der Anfang vom Ende, aber wir alle hofften, dass die Dinge wieder besser laufen würden." Die Hoffnung war vergebens. Am 31. Mai 1982 verlor Neal, wie die meisten anderen DMCL-Mitarbeiter, seinen Job und es sollten erst drei Jahre vergehen, ehe der Nordire wieder einen Arbeitsplatz fand. "Es ist zu einfach, Leute für das Geschehene verantwortlich zu machen", erklärt Neal. Auf die Frage, was er von seinem ehemaligen Arbeitgeber John DeLorean halte, antwortet er: "Sagen wir einfach, dass ich so meine Ansichten habe. Doch nicht alle davon sind negativ."

Auf DeLoreans viele positiven Aussagen hinsichtlich der Arbeitskräfte in Nordirland angesprochen, entgegnet Neal: "Nun, wir halfen ihm innerhalb kürzester Zeit beim Bau seines Autos. Die Leute arbeiteten hart, wahrscheinlich nahm John darauf Bezug. Einige in der Gegend meinten nach dem Aus jedoch, er hätte uns betrogen, um nur irgendwie sein Auto gebaut zu bekommen." Doch Neal ist auch dankbar: "Immerhin kam er nach Nordirland. Das war ein Schritt, den damals kein Anderer wagen wollte."

In Hinsicht auf die Schuldfrage bezüglich der Fabrikschließung ist sich Neal mit John DeLorean einig: "John wurde meiner Meinung nach vom ersten Tag an von der Thatcher-Regierung hereingelegt." Auch die Zerstörung der DMC-Fertigungsanlagen durch die Britische Regierung ist für den ehemaligen DMCL-Mitarbeiter ein deutlicher Anhaltspunkt: "Sie sorgten mit voller Absicht dafür, dass nie wieder ein neues DMC-Fahrzeug in Nordirland gefertigt werden konnte."

Persönlich mit John DeLorean unterhalten hat sich Neal Barclay nie, wenngleich er ihn einige Male auf dem Fabrikgelände ausmachte. "Allerdings", erklärt Neal, "schaute Don Lander hin und wieder vorbei und erkundigte sich nach dem Stand der Dinge." Über den Verlust seiner Arbeit in der DMCL-Fabrik spricht der DeLorean-Enthusiast auch 25 Jahre nach seiner Entlassung nicht gerne: "Es tut noch immer weh. Ich habe jeden der 14 Monate bei der DeLorean Motor Company mit all seinen Höhen und Tiefen genossen. Es war schlicht und einfach die beste Arbeit, die ich je ausgeübt habe und die schönste Zeit meines Berufslebens." Nun für die Stadtverwaltung von Belfast arbeitend, freut sich der Nordire auf die Zukunft: "In den letzten Jahren traf ich verschiedene Besitzer aus Irland, dem Vereinigten Königreich und anderen Teilen der Welt; dabei bekam ich einige großartige DeLoreans zu Gesicht. Insofern erlebe ich den Traum nun von Neuem und freue mich auf die nächsten 25 Jahre."

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