Die erste Sache, die man bemerkt [in Nordirland], ist die Sicherheit. Man erreicht eher den Präsidenten der Vereinigten Staaten als eine Hotelempfangshalle in Belfast. Das Europa Hotel, in dem wir während den Verhandlungen verweilten, war schon 28-mal von Bombenanschlägen heimgesucht worden. Jede Person, die im Hotel eincheckte, musste durch einen Metalldetektor gehen. Außerdem wurde jeder gewissenhaft untersucht, was auch für das Gepäck galt, das ausgepackt und bis auf die letzte Socke überprüft wurde.
(DeLorean Autobiografie, S.119)

Das Europa Hotel

Glücklicherweise haben sich die Zeiten geändert. Als wir am 25. Februar 2006 die Empfangshalle des Europa Hotels in Belfast betraten, war von Metalldetektoren und Sicherheitsleuten keine Spur, im Gegenteil: Im gemütlichen Sitzbereich der mit Säulen geschmückten Halle brannte friedlich ein Feuer im Kamin. Ein Unwissender würde wahrscheinlich nicht glauben können, dass in diesem Hotel wohl mehr Bombendrohungen eingingen, als in jedem anderen auf der Welt. Doch diese Zeiten sind wie gesagt vorbei. Das Hotel bietet Gästen heute Luxus und Sicherheit, und der zentrale Standort (eine Minute zu Fuß zum nächsten Bus- und Zugbahnhof) ist für einen Aufenthalt in Nordirland ideal.



Dunmurry

Das große Ziel der Reise war natürlich Dunmurry, West Belfast, bzw. die alte Fabrik der DeLorean Motor Company, der Ort, an dem all die silbernen Flügeltürer gefertigt wurden. Nach der Ankunft an der örtlichen Haltestation war Suchen angesagt. Schilder zur Fabrik gab es keine, also wurde natürlich zuerst die falsche Richtung eingeschlagen, was jedoch auch etwas Gutes hatte, da wir so den Hauptsitz der Architekturfirma Farrans vorfanden. Farrans hat damals in den späten Siebzigern zusammen mit McLaughlin & Harvey, ebenfalls eine in Dunmurry ansässige Architektsfirma, zum Bau der Fabrik beigetragen. Heute stehen beide Unternehmen hoch im Kurs, zumindest sorgen sie in der Innenstadt von Belfast derzeit für neue Gebäude und Renovierungen. Da das Ziel jedoch nach wie vor die Fabrik war, machte wir uns wieder auf die Suche. Die einzige Orientierung, die man hat, sind die Schienen, da die Fabrik bekanntlich entlang einer Bahnlinie gebaut wurde, und zwei Hochhäuser, die der Fabrik gegenüberstehen.



Das Warren House

Als wir uns schließlich durch Zufall in der Thornhill Road wiederfanden und auf das Warren House stießen, wurde klar, dass es nicht mehr weit sein konnte. Das Warren House, ein luxuriöses Anwesen mit großem Park und interessanter Geschichte, war in den Siebzigern John Z. DeLorean zur Verfügung gestellt worden, als bekannt wurde, dass dieser seine Fabrik in Dunmurry bauen würde. Es war ein geschickter Schachzug von allen Beteiligten das Warren House zu wählen, da es, wie die Fabrik, sehr zentral zwischen den beiden Vierteln der Katholiken und Protestanten liegt. DeLorean musste sich nicht einmal in einem der beiden Viertel sehen lassen, wenn er das Haus erreichen wollte; dafür sorgte eine extra von ihm angelegte Straße, die von der Teststrecke seiner Fabrik direkt zum Anwesen führte. Bekannt wurde das Haus auch in krimineller Hinsicht. Da fälschlicherweise das Gerücht entstand, DeLorean hätte in seinen Badezimmern goldene Wasserhähne installieren lassen, wurde das Haus Ziel mehrerer Einbrüche. John Z. DeLorean selbst bewohnte das Haus im Übrigen so gut wie nie. Er überließ es Charles Bennington, der als Führungskraft der DeLorean Motor Company die Geschäfte in Nordirland führte, während DeLorean von New York aus agierte. Das Warren House, heute ein Gästehaus, steht nun im Besitz der Hughes Familie.





Die Fabrik und der Testtrack

Nach den üblichen Fotos folgte (endlich) eine Besichtigung der Fabrik, sofern man es Besichtigung nennen kann. Am restaurierten Gatehouse nahe der Bahnlinie wies der dort arbeitende Torwächter freundlich daraufhin, dass das Betreten des Geländes nicht möglich wäre. Damit war zu rechnen, da die Fabrik heute im Besitz von Montupet UK steht, eine Firma, die ihr Geld durch das Herstellen von Automobilteilen verdient. In der ehemaligen DMC-Fabrik werden heute Felgen und Zylinderköpfe hergestellt. Wenn man schon nicht auf das Fabrikgelände kommt, dann doch wenigstens herum. Nach zwei "großen" Runden um das Terrain und viel vergangener Zeit näherten wir uns guten Mutes nochmals dem anfangs erwähnten Gatehouse. Der Wächter hatte nun glücklicherweise Feierabend und wurde gerade abgelöst. Da er nun Zeit hatte, bot er an, uns über das Fabrikgelände zu fahren und uns den Testtrack zu zeigen.

Die knapp 800 Meter lange Strecke, auf der die fertiggestellten DeLoreans in den Jahren 1981 und 1982 auf ihre Fahrtauglichkeit geprüft worden waren, ist heute in miserablem Zustand. Da der Track offiziell nicht zum Firmengelände des Montupet-Betriebs gehört, aber nur über eben dieses Firmengelände (und das Warren House) zugänglich ist, altert er langsam aber sicher vor sich hin. Die Pflanzen wachsen wild und als wäre Nordirland nicht schon genug von der Farbe grün gesegnet, nimmt nun auch die Strecke langsam diese Farbe an. Zusammen mit dem freundlichen Montupet-Mitarbeiter, der erstaunlich viel über die DMC wusste und einige interessante Geschichten zu erzählen hatte, absolvierten wir schließlich eine ganze Runde, ehe wir das Fabrikgelände wieder verlassen mussten.





Das Ulster Folk & Transport Museum

Zu Empfehlen ist auch ein Besuch im Ulster Folk & Transport Museum, das sich in Holywood, einem Vorort von Belfast, befindet. Im Sommer herrscht hier meistens Hochbetrieb, doch im Februar hat man das Museum offensichtlich für sich allein. Neben einer beachtlichen Zug-, Fahrrad- und Motorradaustellung hat das Transportmuseum natürlich auch eine Vielzahl an Automobilen zu bieten. Der Hauptgrund für unseren Besuch war die Tatsache, dass in diesem Museum ein ganz besonderer DeLorean ausgestellt ist. Eines von zwei sogenannten Testautos, das 50,000 Meilen zurücklegen musste. Außerdem kann man sich hier auch einmal das Chassis eines DeLorean genauer ansehen. Auf Grund der Vielzahl an Ausstellungsstücken lohnt sich ein Besuch jedoch nicht nur für DeLorean-Fans.






Nordirische Sehenswürdigkeiten

Letzten Endes sollte man sich bei einer Nordirland-Reise auch die Innenstadt von Belfast mit den berühmten Pubs und Gebäuden (City Hall, Belfast Castle), die Shipyards von Harland & Wolff, in denen vor über 90 Jahren die Titanic gebaut wurde, und den Norden des Landes vorknöpfen. Hier warten Schätze wie der Giant's Causeway, das Dunluce Castle und einfach die wunderschöne, grüne nordirische "Countryside".



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