Playboy, Oktober 1985 - John DeLorean Finally Gets Cross-Examined
Teil 1 - Teil 2




48.) Also spielten Sie mit und schrieben am 18. Oktober diesen Brief?

Richtig.

49.) Warum haben Sie nicht einfach, statt diesen Brief zu schreiben, das FBI in New York aufgesucht?

Was hätte ich beweisen können?

50.) Sie hätten beschreiben können, was vorgefallen war.

Okay, was hätte das FBI unternehmen können? Sie hätten gesagt: "Sie haben keine Beweise." Und dann hätten sie mich womöglich zu ihrem Informanten rekrutiert: "Wir werden Sie verkabeln und Sie werden sich mit diesen Leuten treffen. Wenn die ganze Sache vorbei ist, werden Sie eine neue Identität annehmen und in einer Autowaschanlage in Eureka arbeiten. Ihre Frau wird eine Supermarktangestellte." Mein Leben wäre vorbei gewesen, meine Firma am Ende und die Karriere meiner Frau wohl ebenfalls dahin.
Das war die einzige Alternative. Obwohl...es gab noch eine weitere: Ich hätte, wie Sie bereits vorschlugen, zur Polizei gehen können. Was aber, wenn die Kriminellen davon Wind bekommen hätten? Womöglich hätten Sie mich und meine Kinder getötet. Das waren meine Alternativen. Es war einfach nicht möglich, zur Polizei zu gehen.

51.) Das war Ihr altes Ich. Wenn Sie diese ganze Geschichte nun, da Sie Ihren religiösen Glauben intensiviert haben, noch einmal durchleben müssten, würden Sie dann auf sittlichere Art handeln?

Ich habe nie auf unmoralische Art und Weise gehandelt.

52.) Glauben Sie nicht, dass Ihre Pflicht als Staatsbürger...

Was hätte ich tun können? Die zwei Alternativen sind Leben oder Sterben. Man hat die Wahl.

53.) Sie hätten das Verbrechen aufdecken können.

Ich glaube, Sie haben nicht zugehört, als ich über die Ratschläge meines Anwalts sprach. Sie reden zuviel. Der Anwalt sagte nicht: "Gehen Sie nicht zur Polizei." Er sagte: "Sie können nicht zum jetzigen Zeitpunkt zur Polizei gehen, da Sie keine Beweise haben. Die werden lediglich sagen: 'Schließen Sie ein Geschäft mit ihnen ab. Wir werden Sie dabei fotografieren und die Bande dann verhaften.'" In anderen Worten: Schließe ein illegales Geschäft ab und zerstöre dein Leben. Meine Firma wäre verloren, die Karriere meiner Frau vorbei. Unsere Kinder müssten für den Rest ihres Lebens versteckt gehalten werden. Ich war nicht daran interessiert, ein Informant zu sein. Das enstpricht nicht meiner Natur. Folglich war seine Alternative die einzige und richtige Lösung für das Problem.

54.) Sie zu Tode langweilen?

Zu blockieren und nicht zu konfrontieren! Das macht Sinn, wenn man darüber nachdenkt. Wenn Sie an meiner Stelle gewesen wären, hätten Sie dasselbe getan. Und auch der Papst hätte so gehandelt, da man einfach keine echte Alternative hat.

55.) Der Papst hätte so gehandelt?

Naja, streichen Sie das. Das macht keinen Sinn, da er völlig anders ist. Aber kein Mensch - man hat einfach keine sinnvolle Alternative, es sei denn, man ist ein Mensch, der sein Leben aufgeben, eine neue Identität annehmen und sich von der Regierung unterstützen lassen möchte. Dann wäre es natürlich einfach.

56.) Angenommen, Sie glauben als religiöser Mensch, dass Gott über Ihr Verhalten richtet: Müssen Sie dann nicht gewisse Opfer bringen, um vor Gott moralisch an Ansehen zu gewinnen?

Das ist eine dumme Frage.

57.) Wirklich?

Ja, weil ich schon gesagt habe, dass wir später zur Polizei gegangen wären. Ich versuchte einfach nur solange zu überleben, bis ich zur Polizei hätte gehen können. Das war mein Ziel. Ihre Aussagen sind irrational.

58.) Der Punkt ist, dass dieser Brief, der Sie angeblich entlastet, nicht andeutet, dass Sie zur Polizei gehen wollten.

Doch, ganz am Ende. Ich schrieb in etwa: "Wenn ich sterbe, dann gehe zur Polizei." Natürlich schrieb ich nicht: "Wenn ich überlebe, werde ich so schnell wie möglich zur Polizei gehen." Schließlich rechnete ich gar nicht damit, zu überleben.

59.) Seinem Inhalt zufolge sollte der Brief nur im Falle Ihres nicht unumschränkt natürlichen Todes zur Polizei gebracht werden. Hätte Ihr Rechtsanwalt das Verbrechen jedoch nicht unter allen Umständen aufklären müssen? Immerhin wurde hier eine große Bank von der Mafia geführt, vom organisierten Verbrechen, von Drogenhändlern. Das ist eine echte Gefahr für die Gesellschaft, oder? Hätte nicht irgendwann jemand zum FBI gehen und sagen müssen: "Es gibt da eine Bank, die von der Mafia geführt wird."

Wen hätte derjenige aufdecken sollen? Er wusste nichts über diese Sache. Er hatte kein Beweismaterial. Er konnte lediglich meine Familie aufklären.

60.) Hatte er nicht die Namen einiger Personen, die Sie im Brief erwähnten?

Was kann man mit diesen Namen schon anfangen? [wütend] Ich glaube wirklich nicht, dass wir auf derselben Wellenlänge sind. Ich glaube, wir sollten diese ganze Sache vergessen.

61.) Dies sind Fragen, die unsere Leser interessieren. Sie wollen wissen, ob das Verfahren auf Grund einer Formalität beendet wurde...
[DeLorean steht plötzlich verärgert auf und verlässt den Raum. Der Journalist folgt ihm und überredet ihn, zurückzukommen.]

62.) Okay, wir sind zurück.

Ich möchte wirklich nicht empfindlich sein, aber ich versuche mein Leben wieder auf die Reihe zu bekommen und brauche wirklich nicht noch mehr von diesem Bullshit. Ich wurde von jedem Reporter auf dieser Welt fertiggemacht, und 99 Prozent von ihnen kommen rein und sagen- falls das, was ich gerade gesagt habe, aufgenommen wurde, möchte ich Sie im Übrigen darum bitten, es herauszuschneiden. Ich möchte keine Fluchworte in diesem Interview. Versprechen Sie mir bitte, sie herauszuschneiden.

63.) Die Fluchworte?

Ja.

64.) Off the record is before the fact, not after. Doch wir wollten Ihnen auch Fragen über die Fluchworte stellen. In einem anderen Interview, das Sie dem Rolling Stone im Jahr 1983 gaben, nutzten Sie eine äußerst gottlose Sprache.

Ja, aber das bin nicht mehr ich. Heute versuche ich, diese Sprache zu vermeiden, auch wenn ich wirklich wütend bin. Ich sage gelegentlich ein Wort, das ich von meinem 13jährigen Sohn gelernt habe, doch im Wesentlichen spreche ich nicht mehr so und möchte das auch nicht. Ich gebe mir Mühe. Auch wenn ich einen großen Teil meines Lebens in einer Fabrik verbracht habe.

65.) Aber war Ihre religiöse Bekehrung nicht bereits abgeschlossen, als Sie dieses Interview gaben?

Doch, allerdings war ich damals hinsichtlich dieser religiösen Bindung noch sehr unerfahren.

66.) Selbst Menschen, die glauben, dass Ihnen eine Falle gestellt wurde, wundert es, dass Sie versuchen, die Story zu perfekt zu gestalten. Okay, DeLorean wurde hereingelegt, aber er will uns tatsächlich weismachen, es sei immer der Fehler der anderen gewesen - jener der Britischen Regierung oder jener der übereifrigen Staatsanwälte. So wie Sie es erzählen, bleibt kein einziger Fehler am Charakter von John DeLorean hängen. Es gibt nichts, was Sie falsch gemacht haben. Und die Leute, die Ihre Karriere verfolgt haben, stört das.

Nein, ich denke, es gibt viele Dinge, die ich falsch gemacht habe. Meine ultimative Sünde war wohl mein unersättlicher Stolz. Ich war wirklich verrückt. Zurückblickend realisiere ich, dass meine Arroganz die aller anderen Menschen bei weitem übertraf.

67.) Wie lange war dieser Stolz ein Teil Ihres Lebens?

Sehr lange, glaube ich. Wahrscheinlich begann das etwa nach der ersten Hälfte meiner Karriere bei General Motors. Ich konnte keine Niederlagen akzeptieren. Egal, was ich tat, ich versuchte immer zu kämpfen und zu gewinnen. Ich schätze, der Herr musste mir erst einen Denkzettel verpassen, um mir meine Fehler aufzuzeigen. Erst heute realisiere ich, wie grausam ich von diesem Standpunkt aus gesehen war. Ich konnte die Firma einfach nicht aufgeben. Mein Ego ließ es nicht zu. Und das galt auch für viele andere Dinge in meinem Leben. Es war einfach unvernünftig.

68.) War es der Wunsch, perfekt und allmächtig zu sein?

Nein, das glaube ich nicht. Vielmehr konnte ich diese Firma einfach nicht aufgeben. Als ich sie gegründet hatte, hatte mir jeder in der Industrie erklärt, ich sei ein Idiot und würde scheitern. Wir aber bauten die Firma auf und waren erfolgreich. Wir waren profitabel. Mit dem Arbeitskapital, das uns die Regierung schuldete, schien die Firma ein gewaltiger Erfolg zu werden. Und dann geriet uns die ganze Sache urplötzlich aus den Fugen - oder vielleicht sollte ich besser sagen: Dann geriet mir die ganze Sache urplötzlich aus den Fugen.

69.) Haben Sie eine Theorie, warum Ihnen die ganze Sache aus den Fugen geriet?

Durch das Gesetz zur Wahrung des Rechts auf Auskunft haben wir einige Hinweise in Form von Dokumenten und Fernschreiben erhalten, die zeigen, dass das US-Außenministerium in London mit dem Untergang der Firma zu tun hatte. [Zeigt auf einen Stapel Dokumente auf dem Tisch] Diese Papiere beweisen, dass das Außenministerium befürchtete, der Export unserer Automobile könnte der DMC, dank der niedrigeren Preise in Nordirland, zu einem unfairen, von der Regierung finanzierten Vorteil gegenüber der US-Konkurrenz verhelfen. Nun, der einzige US-Konkurrent unseres Automobils war die Corvette von General Motors. Allerdings wäre es unvernünftig, anzunehmen, dass eine kleine Fabrik in der Mitte des vom Krieg erschütterten Belfasts eine ernsthafte Bedrohung für ein Unternehmen wie dieses hätte darstellen können. Dennoch halte ich das für interessant: [liest vom Telegramm ab] Das Außenministerium "wünscht, dass Washington auf Grund dieser Entwicklung umgehend alarmiert wird, um der Sache auf den Grund zu gehen."
Dieses Telegramm ist von Kingman Brewster, dem US-Außenminister in London. Das ist ebenfalls interessant: "Es scheint angebracht, unsere Ansichten zunächst privat mit der Regierung des Vereinigten Königreichs zu besprechen...."

70.) Warum warnt das U.S. Außenministerium die Britische Regierung?

Naja, es ging offensichtlich von General Motors aus, richtig? Ich meine, wer sonst sollte das veranlasst haben? Können Sie sich vorstellen, dass ein Außenminister in London etwas über einen Mann in der Zeitung liest, der eine winzig kleine Fabrik in Belfast baut, und daraufhin dieses Dokument verfasst? Nein, es kam sicherlich von jemandem, der finanzielle Interessen vertrat.

71.) Mit welchem Datum wurde das Telegramm versehen?

August 1978. Zum damaligen Zeitpunkt verhandelten wir gerade mit der Britischen Regierung.

72.) Also bestätigt es Ihre Behauptungen in Bezug auf die Taten der U.S. Regierung?

Nun, es folgte eine faszinierende Entwicklung. Nur wenige Wochen nach der Ankunft des Telegramms nahm der britische Außenminister, Peter Jay, Kontakt zu uns auf. Um den Vertrag mit der Britischen Regierung abzuschließen, schlugen er und seine Männer vor, dass wir pro Auto eine 400 Dollar-Gebühr zahlen sollten. Wollten wir mit den Briten zusammenarbeiten, waren wir folglich gezwungen, diesen Vorschlag anzunehmen. Diese Vereinbarung stellte die U.S. Regierung natürlich zufrieden. Nebenbei bemerkt war diese 400 Dollar-Gebühr ein Rekordwert für britische Firmen. Keine Firma in der Geschichte der britischen Automobilindustrie hatte je eine solche Summe pro Auto zahlen müssen. Im Endeffekt hätte uns diese Sache klarmachen müssen, dass wir bereits tot waren, bevor wir anfingen. Sie wollten uns scheitern sehen.

73.) Haben Sie das bereits publik gemacht?

Nein, sie sind mit Ausnahme unserer Anwälte der Erste, der hiervon erfahren hat. Man darf nicht vergessen, dass wir 1981 - unserem ersten Jahr - der einzige profitable Automobilhersteller im gesamten Vereinigten Königreich waren. Ferner hatten wir zum damaligen Zeitpunkt Bestellungen von Händlern vorliegen, für deren Erfüllung wir zwei Jahre am Limit hätten produzieren müssen. Es sah wirklich so aus, als würde uns die Welt gehören. Es war unglaublich. Dann allerdings enthielt uns die Regierung die in Großbritannien übliche ECGD-Finanzierung (Exportfinanzierungsgarantie) vor.

74.) Und Sie behaupten wirklich, dies sei im Namen von General Motors und auf Veranlassung der U.S. Regierung geschehen?

Ich weiß es nicht. Ich weiß es wirklich nicht. Es gibt einige Anzeichen dafür. Als uns die Britische Regierung in die Knie gezwungen hatte, entschied GM plötzlich, zwei Fabriken in Belfast zu bauen. Damit betrat General Motors absolutes Neuland. Tatsächlich hatte die Konzernspitze in der Vergangenheit häufig betont, man werde keinerlei Einrichtungen in Großbritannien eröffnen, da man dort immer mit Problemen rechnen musste. Ich kann nicht beweisen, dass dies auf Grund einer Verschwörung geschah, doch es ist zweifellos ein eigenartiger Zufall.

75.) Warum glauben Sie, dass Ihr Auto für General Motors eine derartige Bedrohung darstellte?

Das Auto bedrohte GM in keiner Weise. Ich glaube vielmehr, dass sich der Konzern von meinem Buch [On A Clear Day You Can See General Motors] bedroht fühlte, da sich dieses sehr kritisch mit GM auseinandersetzt. Also wollten Sie wohl wegen dieses Buches sicherstellen, dass ich scheitere. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Als wir nach Händlern suchten, die unser Auto verkaufen sollten, kontaktierten wir einen Cadillac-Händler in Fort Worth. Er besaß ein gewaltiges Autohaus und erklärte sich sofort bereit, unser Auto zu verkaufen. Er sagte: "In Ordnung. Ich muss das nur noch mit meinem Büro klären." Kurze Zeit später rief er uns zurück und meinte: "Ich kann euer Auto nicht verkaufen. Sie haben mir gedroht, ich müsste mir vier Blocks weiter ein neues Cadillac-Autohaus bauen, wenn ich euer Auto in meinen Showroom stelle."

76.) Wie war der Name dieses Händlers?

Ich kann mich nicht erinnern, aber er ist der einzige Cadillac-Händler im Geschäftsviertel von Fort Worth.

77.) Sie sagen also, dass sich einige Personen bei General Motors rachsüchtig gegen Sie gewandt haben. Warum glauben Sie, dass sich GM soviele Gedanken um Sie gemacht hat?

Nachdem ich den Konzern verlassen und mein Buch geschrieben hatte, kam es zu vielen üblen Zwischenfällen, für die gewisse Führungskräfte von GM verantwortlich waren. Ich schätze, ein Mann, der sein eigener Herr ist, stellt immerzu automatisch eine Bedrohung für jeden Firmenmensch dar. Sie hassten mich von Beginn an. Sie hatten viele Gründe, mich zu hassen. Ohne mich großartig zu bemühen - ich bemühte mich sehr, aber ich glaube nicht, dass sie das so sahen - war ich unglaublich erfolgreich. Die Rekorde, die ich mit Chevy und Pontiac aufgestellt habe, wurden bis heute nicht gebrochen. Wahrscheinlich werden sie ewig bestehen, sowohl was den Profit angeht, als auch in Hinsicht auf die Verkaufszahlen.... Darüber hinaus nahmen mir wohl viele meine Frau übel. Warren Jollymore, mein PR-Direktor bei Chevrolet, pflegte in der Tat zu sagen: "Sie wollen wissen, warum Sie von allen gehasst werden? Wenn jemand in Detroit mit seiner Ehefrau zu Bett geht und an Sie denkt, wie Sie mit Ihrer jungen, schönen Gattin zu Bett gehen, dann muss er Sie einfach hassen." Er meinte immer: "Ich liebe Sie...und ich hasse Sie."

78.) Sie stachen bei General Motors also deshalb hervor, da Sie ein gutaussehender, auffälliger Mann mit einer schönen Ehefrau waren - ein Rebell unter all den konservativen Führungskräften?

Nein, ich habe mich nie als Rebell gesehen, auch wenn die Leute das sagen. Ich bin der konservativste Mensch, dem Sie je begegnet sind. Ich trinke nicht, ich rauche nicht, ich gehe nicht auf Partys, ich mache gar nichts. Im Wesentlichen bin ich ein Familienmensch. Ich genieße es, die Sonntage mit den Kindern zu verbringen. Ich mache keinen Unsinn oder ähnliches. Ich weiß nicht, wie es zu diesen Geschichten kam. Natürlich mag ich Frauen. Ich glaube allerdings nicht, dass daran etwas verkehrt ist. Als ich alleinstehend war, tat ich, was Sie tun würden. Nichtsdestotrotz habe ich sehr hart gearbeitet. Ich besitze einen stark ausgeprägten Konkurrenzsinn.

79.) Entspricht es der Wahrheit, dass Sie Ihr Gesicht liften und Ihr Kinn operieren ließen?

Nein, es war ein wenig anders. In meiner Kindheit hatte ich mich einer Operation unterzogen, die schief ging. Das Resultat war ein beeinträchtigter Kieferknochen. Dann, vor etwa 18 oder 19 Jahren, ging ich zum Arzt und ließ mir sagen, dass die Sache korrigiert werden müsse, da andernfalls schlimme Konsequenzen drohten. Der Arzt operierte mich also und versuchte, den beeinträchtigten Knochen zu entfernen. Der Eingriff war jedoch komplexer, als er gedacht hatte. Letzten Endes steckte er mir allerlei Ramsch in den Kiefer und vernähte mich. Anschließend blähte sich mein Gesicht auf. Es war so groß wie eine Wassermelone und ich bekam es wirklich mit der Angst zu tun. Der Arzt allerdings meinte nur: "Wir sollten noch mal von vorne anfangen und das ganze diesmal richtig machen." Es sah schrecklich aus.

80.) Ihren Protesten zum Trotz: Sie genossen es, mehr Stil zu haben als die anderen Führungskräfte bei GM, oder?

Ja, das stimmt vermutlich.

81.) Sie hatten eine schönere Frau und all das.

Ich weiß nicht - ich denke schon, dass ich das genossen habe.

82.) Sahen Sie in sich nicht womöglich doch einen Rebellen, der andere Wege ging als die anderen?

In gewisser Hinsicht war dem vielleicht so. Im Wesentlichen betraf dies meinen Freiheitsaktivismus. Auf diesem Gebiet war ich wohl tatsächlich ein Rebell. Ich genoss es, auf die Füße meiner Kollegen zu treten, indem ich GM mit Schwarzen und anderen Minderheiten in Verbindung brachte. Sie meinten damals nur: "Wir können keine qualifizierten Minderheiten einstellen." Das war das normale Dogma. Als ich folglich zum Chef der Chevrolet-Abteilung befördert wurde, sagte ich: "Von nun an werde ich im GM-Institut nur noch Schwarze und Minderheiten fördern." Zum damaligen Zeitpunkt war das Institut nämlich nur noch ein Zeitvertreib für die Söhne von GM-Führungskräften.

83.) Es ist interessant, dass Sie Ihr Engagement für die Freiheitsbewegung erwähnen, da Sie nun, als wiedergeborener Christ, ein völlig anderes, konservatives Weltbild vertreten.

Eigentlich nicht. Ich glaube sogar, dass mein Leben exakt diese Richtung einschlagen wird. Wenn ich die rechtlichen Angelegenheiten hinter mich gebracht habe, möchte ich ein Ministerium aufbauen, das sich mit eben diesem Gebiet auseinandersetzt.

84.) Mit dem Gebiet des wiedergeborenen Christentums?

Nein, mit dem Gebiet der Minderheiten. Ich möchte helfen und versuchen, ein Gleichgewicht herzustellen. Eine traditionelle Funktion der Kirche ist die Sorge für Arme und Bedürftige. Ich habe einige Ideen, die ich gerne umsetzen würde. Wenn man beispielsweise über Menschenrechte spricht, sollte man sich insbesondere mit der Situation einiger armer Kinder in der südlichen Bronx auseinandersetzen, da diese bereits mit dem Tag ihrer Geburt sozial benachteiligt werden. Diese Kinder wissen, dass es eine andere Seite gibt. Sie müssen nur den Fernseher einschalten, um zu sehen, dass Amerika nicht das ist, was sie erleben. Ihnen wird dieses Leben genommen. Sie erhalten keine Ausbildung. Sie leben in mit Müll übersäten Gängen, in denen Betrunkene urinieren. Und sie leben dort ihr ganzes Leben lang, es sei denn, sie werden 2,25 Meter groß und spielen für die New York Knicks. Sie haben einfach keine Chance. Wieviele Präsidenten spazierten durch Watts und die South-Bronx und versprachen, etwas zu unternehmen? Ich kann mich an drei Präsidenten erinnern, die durch die Bronx gingen - sorgfältig beschützt; das sollte man vielleicht hinzufügen.

85.) Machen Sie sich über diese Dinge wirklich Gedanken oder ist das einfach nur Teil Ihres neuen Images?

Ich habe mir schon immer über derartige Dinge Gedanken gemacht. Sie sind ein Teil von mir, ein Teil meines Charakters. Weder mein Vater noch meine Mutter waren gebildet; keiner von beiden hat mehr als fünf Schuljahre hinter sich gebracht. Mein Vater war ein Metallgießer bei Ford. Jede Freitagnacht bekam er seinen Lohn und betrank sich. Dann kam er nach Hause und schlug meine Mutter zusammen. Das sind die Verhältnisse, aus denen ich komme. Das war typisch für die gesamte Nachbarschaft. Ich habe nie herausgefunden, warum mir Gott diesen Erfolg geschenkt hat. Man mag das nicht glauben, doch zu Beginn meiner Karriere habe ich wirklich nie auch nur einen Gedanken an eine Beförderung verschwendet.

86.) Sie präsentieren sich hier in Form eines unschuldigen, nicht-manipulativen Mannes auf einem beinahe unbewussten Weg zum Erfolg...

Ich war nie manipulativ! Ich habe mich nie an firmeninternen Machtkämpfen beteiligt. Tatsächlich haben mich derartige Dinge gar immer schockiert. Hätte ich diese Dinge jedoch besser beherrscht, wäre mein Leben wohl anders verlaufen.

87.) Vorhin haben wir uns über den Verlust Ihrer Automobilfirma und Ihre Behauptung unterhalten, General Motors habe die U.S. Regierung irgendwie dazu gebracht, Druck auf die Britische Regierung auszuüben.

Ja, die DeLorean Motor Company war bereits ruiniert, noch bevor sie richtig ins Rollen kam. Keine junge Firma in Großbritannien musste je mit derart schwerwiegenden Forderungen umgehen wie die unsrige.

88.) Doch wie weit hergeholt diese Geschichte auch sein mag, wir verstehen noch immer nicht, welches Interesse General Motors bei der ganzen Sache vertrat. Der DeLorean war der Konkurrent der Corvette, richtig? Allerdings haben wir Berichte gehört, die Ihr Automobil nicht gerade in gutem Licht erscheinen lassen...

Diesen Berichten muss ich widersprechen. Dafür, dass es ein brandneues Automobil war, war es völlig in Ordnung. Bedenkt man, dass der Wagen von einer Belegschaft gefertigt wurde, die wir erst haben ausbilden müssen, noch dazu in einem Land, das zuvor noch nie ein Automobil hervorgebracht hatte, dann wurde wirklich hervorragende Arbeit geleistet.

89.) Dann sind die Geschichten über undichte Stellen und Personen, die im Auto eingeschlossen waren...

Natürlich hatten wir ein paar Probleme, aber das war nicht ungewöhnlich. Ich habe mir einst einen Jaguar gekauft, als die Firma zum ersten Mal den V12 hergestellt hat. Es war das furchtbarste Automobil, das je in meinem Besitz stand. Heute sind die Autos der Marke natürlich um einiges besser. General Motors ruft derzeit zum 13. oder 14. Mal aus Sicherheitsgründen das X-Car zurück, obwohl der Konzern bereits mehr als 1,5 Milliarden Dollar dafür ausgegeben hat. Sie sehen also, dass man stets mit Problemen kämpft, wenn man ein komplett neues Automobil fertigt. Darüber hinaus hatten wir Verbesserungen geplant. Wir haben beispielsweise gemeinsam mit DuPont an Farben gearbeitet - einer speziellen Art von transparentem Lack. Und wir hatten einen TwinTurbo-Motor, der den Wagen in 4,6 bis 4,8 Sekunden auf 100 Stundenkilometer gebracht hätte, wodurch wir das schnellste Auto der Welt hätten verkaufen können.

90.) Was halten Sie von der neuen Chevrolet Corvette?

Ich habe mir vor ein paar Monaten die Corvette eines Freundes geliehen und war positiv überrascht. Es ist wirklich ein sehr, sehr gutes Automobil geworden. Alles an diesem Auto wirkt gut und solide. Die kleineren Qualitätsmängel wurden beseitigt. Der Motorraum sieht äußerst professionell aus.

91.) Glauben Sie, dass dieses Auto so gut wurde, da der Konzern von Ihnen herausgefordert wurde?

Fest steht jedenfalls, dass sie einen wirklich guten Job gemacht haben. Es ist ein hervorragendes Automobil geworden.
Wie dem auch sei: Ich glaube, dass ich durch meine Erfahrungen und Bemühungen, stets ehrlich und aufrichtig zu denken, eine Menge über mich in Erfahrung bringen konnte. Und einige der Dinge, die ich herausfand, sind wirklich beunruhigend.

92.) Zum Beispiel?

Nun, ich glaube nicht, dass ich mich je für arrogant gehalten habe, bis ich aus meiner heutigen Perspektive zurückblickte. Seitdem steht für mich jedoch fest, dass ich wirklich schrecklich arrogant war.

93.) Glauben Sie, dass Sie gewisse Menschen hintergangen haben? Sie haben abgestritten, manipulativ gehandelt zu haben, allerdings wurden einige negative Artikel über Ihre Geschäfte veröffentlicht.

Das sind alles Lügen. All die bösen Geschichten stammen von einem Mann namens Bill Haddad, der früher für mich gearbeitet hat. Er hat Dokumente über drei obskure Gerichtsprozesse an sich gebracht, die in meinen persönlichen Akten abgeheftet waren, und an einen Autor namens Hillel Levin weitergegeben. Dieser hat sie dann mit in sein Buch aufgenommen. Darüber hinaus gab Haddad diese Informationen auch an andere Leute weiter. Ich wurde schon so häufig ausgenutzt!

94.) Sie haben uns gemischte Zeichen gegeben: Sie gestanden, sich auf Grund der Trennung von Ihrer Frau geschlagen zu fühlen - wie ein Tier in einem Käfig. Sie sprachen auch darüber, eine Demütigung im christlichen Sinne vollzogen zu haben. Dennoch klingen Sie häufig wie Ihr altes Ich - die Publicity für Ihr Buch ist äußerst aggressiv und erweckt den Eindruck, als stünden Sie über allem. Was genau sollen wir über Sie, Ihr Image und Ihre Zukunft glauben?

Nun, es entspricht der Wahrheit, dass ich sehr an meiner Frau und meiner Familie hing. Daher hat es mich sehr verletzt. Aber ich fühle mich nicht geschlagen. Ich glaube natürlich auch nicht, ich stünde über allem. Ich spüre, dass ich mich heute besser verstehe und denke, dass ich durch diese schreckliche Erfahrung zu einem besseren Menschen wurde. Wie Nietzsche schon sagte: Was dich nicht umbringt, macht dich zu einem besseren Menschen.
Hoffentlich habe ich noch ein langes Leben vor mir, ein Leben, das ich auszunutzen gedenke. Es existiert ein vielversprechender Plan für den Wiederaufbau meiner Automobilfirma. Daher erwarte ich, dass wir innerhalb der nächsten sechs Monate wieder Automobile produzieren werden.

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