
John DeLorean trat Zeit seines Lebens viermal vor den Traualtar. Die erste Ehe
vollzog er 1954, im Alter von 29 Jahren, mit Elizabeth Higgins, einer Blondine aus
einer Kleinstadt im Norden von Michigan. Higgins blieb 15 Jahre an DeLoreans Seite
und erlebte hautnah dessen Werdegang vom Pontiac-Mechaniker zum Chevrolet-Generaldirektor.
Dem beruflichen Aufstieg folgte der gesellschaftliche: Nachdem sie jahrelang
knapp 10 Meilen nordöstlich von Detroit in der Kleinstadt Grosse Pointe Woods zuhause
gewesen waren, zog es das Paar nun ins vornehme Bloomfield Hills, das Mekka der
Top-Führungskräfte der drei Detroiter Automobilkonzerne. Wer hier lebte, gehörte
zu den Mächtigsten der Branche. Doch die Jahre der Beförderungen hatten auch ihre
Schattenseite: DeLorean arbeitete sieben Tage die Woche in seinem Büro, darüber
hinaus nicht selten bis tief in die Nacht.
Noch vor der amtlichen Scheidung im Jahr 1969 änderte DeLorean sein Leben von
Grund auf. Mittlerweile 235 Pfund schwer, arbeitete er ein strenges Ernährungs- und
Trainingsprogramm aus, das ihn nicht selten in seiner Mittagspause in ein
nahe gelegenes Fitnessstudio führte. Um das Grau auszulöschen, das sich bereits
in jenen Jahren ankündigte, entschied sich DeLorean zum damaligen Zeitpunkt
zur Färbung seiner Haare. Darüber hinaus wird dem Amerikaner bis heute nachgesagt,
er habe sich in jenen Tagen einer Schönheitsoperation unterzogen, die unter
anderem die Form seines Kinnes betraf. DeLorean selbst bestritt dies vehement.
Zweifelsfrei belegt ist, dass der Automobilmanager in der Folge immer häufiger den Staat
Michigan verließ, um in Kalifornien die Sonne zu genießen und die attraktivsten
Frauen Hollywoods auszuführen - unter ihnen Ursula Andress, Candice Bergen, Raquel
Welch und Nancy Sinatra.
DeLoreans Plan ging auf. Der Playboy-Lifestyle kam an. Kritik hagelte es nur von konservativen Kollegen, die sich stets die Nase rümpften, wenn DeLoreans Konterfei einmal mehr die Klatschblätter Hollywoods zierte. Die Allgemeinheit dagegen konnte sich mit dem neuen Lebensstil des GM-Managers bestens identifizieren. Wohl auch deshalb fanden DeLoreans Automobile, zunächst bei Pontiac und später bei Chevrolet, einen reißenden Absatz. Im Endeffekt blieb DeLorean nicht allzu lange Junggeselle. Am 31. Mai 1969 heiratete er die damals 20jährige Kelly Harmon, ihres Zeichens Model und Tochter des berühmten College-Footballstars Tom Harmon. DeLorean sollte später sagen, sie sei eine der schönsten Frauen gewesen, die er je gesehen hatte. Es stellte sich allerdings schnell heraus, dass seine neue Lebensgefährtin nicht mit der Klatsch-Gesellschaft von Bloomfield Hills zurechtkam und auch anderweitig wenig Interessen mit ihrem Ehemann teilte. Folglich ging die Ehe relativ früh in die Brüche und wurde bereits im Dezember 1972 wieder offiziell geschieden. Gegen Ende seiner zweiten Ehe adoptierte John DeLorean einen kleinen Jungen namens Zachary, der ihn fortan auf all seinen Geschäftsreisen begleitete. In seiner Autobiografie bezeichnete DeLorean jene Adoption als die vielleicht wichtigste Entscheidung seines Lebens. Von nun an für ein Kind verantwortlich, änderte sich das Leben des GM-Managers erneut spürbar.
Es dauerte nicht lange, bis sich DeLorean ein drittes Mal vermählte und somit eine Mutter für Zachary fand. Am 8. Mai 1973 heiratete er die zum damaligen Zeitpunkt 23jährige Cristina Ferrare. In Cleveland geboren, war diese seit ihrem sechzehnten Lebensjahr in Werbespots der Firma Max Factor aufgetreten und mittlerweile ein hochbezahltes Model, das nebenbei als Schauspielerin in Hollywood Fuß zu fassen versuchte. Den hohen Altersunterschied nahm das frisch vermählte Paar mit Humor. In einer öffentlichen Rede scherzte DeLorean: "Ich bin froh, dass mich heute, wie Sie sehen, meine Frau Cristina begleiten konnte. Dafür musste sie zwar die Schule schwänzen, aber das macht nichts, Schatz. Ich werde dir eine Entschuldigung schreiben..."
DeLoreans dritte Ehe hielt immerhin zwölf Jahre. In dieser Zeit gebar Ferrare
eine Tochter, Kathryn, und erwies sich darüber hinaus stets als wichtige Stütze
für ihren Gatten, auch in jenen Tagen, als DeLorean mit seiner Automobilfirma
scheiterte und sowohl Vermögen als auch seinen guten Ruf verlor. Die Strapazen
des Kokainskandals, der eine nervenzerreißende Gerichtsverhandlung nach sich zog,
wirkte sich am Ende allerdings hochgradig negativ auf die Beziehung aus. Nur kurze Zeit nach
dem Freispruch DeLoreans verließ Cristina ihren Ehemann und reichte die Scheidung ein. Während sich Zachary in der
Folge für einen Verbleib bei seinem Vater aussprach, entschied sich Kathryn für ein
Leben bei ihrer Mutter. Der folgende Sorgerechtsprozess, in dem DeLorean in Hinsicht
auf seine Tochter zumindest ein Besuchsrecht einforderte, entwickelte sich dann
traurigerweise zu einer Schlammschlacht.
Seine Firma war insolvent, sein Ruf ramponiert und seine Familie zerstört. Rückkehrversuche in die Automobilindustrie scheiterten. Weitere Prozesse warteten. DeLorean hatte in jenen Tagen wahrlich nicht sonderlich viel zu lachen. Seit seinem Gefängnisaufenthalt ein wiedergeborener Christ, ließ er sich von den Umständen jedoch nicht unterkriegen. Der Veröffentlichung seiner Memoiren folgte 1985 die äußerst erfreuliche Verwendung seines Automobils als Zeitmaschine im ersten von insgesamt drei "Zurück in die Zukunft"-Filmen, die weltweit mehr als 950 Millionen Dollar an den Kinokassen einspielten. Durch Lizenzrechte an den Merchandising-Einnahmen der Filme beteiligt, konnte sich DeLorean daraufhin finanziell wieder etwas absichern. Zur Tilgung von Prozesskosten und Gläubigeransprüchen war er letztlich dennoch zum Verkauf einiger Besitztümer gezwungen, darunter sein luxuriöses 5th Avenue-Appartement in New York und sein Pistenraupen-Unternehmen in der Nähe von Salt Lake City. In den Neunzigern wurde es um DeLoreans Person schließlich bedeutend ruhiger. Der Amerikaner zog sich etwas zurück, verbachte viel Zeit mit seinen Kindern und
widmete sich vermehrt seinem wiedererstarkten Glauben. In finanzieller Hinsicht folgten
jedoch weitere Nackenschläge: Während die Lizenzeinnahmen nachließen, wollten die
Gerichtsprozesse nach wie vor kein Ende nehmen. Durch die rechtlichen Strapazen
verlor DeLorean im Laufe der Jahre über 20 Millionen Dollar. Als auch gegen Ende des
Jahrzehnts weitere kostspielige Prozesse drohten, sah DeLorean keinen anderen
Ausweg als den Privatkonkurs, infolgedessen ihm auch das letzte große Vermögensgut
genommen wurde: Die Lamington Farm in Bedminster, New Jersey.
Mittlerweile zum vierten Mal verheiratet, verbrachte DeLorean die letzten Jahre seines Lebens daraufhin in ungewohnt bescheidenem Rahmen. Die Hoffnung auf die Produktion eines neues Automobils wollte der Vollblut-Ingenieur allerdings bis zuletzt nicht aufgeben. Am 17. März 2005 erlitt John Zachary DeLorean einen Schlaganfall, welchem er nach zweitägigem Kampf am 19. März im Alter von 80 Jahren erlag. Heute zählt DeLorean zu den herausragendsten Ingenieuren und Managern aller Zeiten. Seine Gewinn- und Verkaufsrekorde, die er in den 60er Jahren als Generaldirektor von Pontiac und Chevrolet aufstellte, wurden bis heute nicht gebrochen. Doch den schlechten Ruf, den der Amerikaner durch den Drogenskandal und Untergang seiner Automobilfirma hatte einstecken müssen, wurde er bis zu seinem Tod nicht mehr los. John Zachary DeLorean schuf einen der schönsten und extravagantesten Sportwagen aller Zeiten. Dafür kann man ihm nur danken.
|