Die Verhaftung von John DeLorean zerstörte auch die letzte Hoffnung auf eine erfolgreiche Zukunft der DeLorean Motor Company und die Rettung von 2400 Arbeitsplätzen im nordirischen Dunmurry. Spätestens am 22. Oktober 1982 hätte der Firmengründer mindestens 10 Millionen Dollar beschaffen müssen, um den Fabrikbetrieb in Belfast sicherstellen und die Deadline der Britischen Regierung erfüllen zu können. Doch nach jenem berüchtigten 19. Oktober stand mehr denn je fest, dass der damals 57jährige Automobilmanager diese Frist nicht würde einhalten können. Die Fabrik wurde geschlossen. Der Traum war vorbei.

Das Ende der DeLorean Motor Company war gleichzeitig der Beginn einer gigantischen Hetzjagd. Da niemand die Verantwortung für den Untergang der Firma auf sich nehmen wollte, folgte rasch eine Vielzahl an aggressiven Schuldzuweisungen. Ex-Führungskräfte meldeten sich zu Wort, plauderten eifrig aus dem Nähkästchen und suchten überall die Schuld, außer bei sich selbst. Sogar John DeLorean persönlich wies im Laufe der Jahre jegliche Eigenverantwortung für das Scheitern seiner Firma von sich! Eine Ansicht, die nur wenige mit dem Firmengründer teilten.

"Die Schuld für den Konkurs liegt natürlich bei John DeLorean", erklärte beispielsweise der ehemalige Finanzabteilungsleiter der DMCA, Kenneth Gorf. Schließlich, so fügte er hinzu, trage der Vorstandsvorsitzende immer die volle Verantwortung. Der ehemalige PR-Berater der Firma, William Haddad, widmete seiner Zeit bei der DeLorean Motor Company gar ein ganzes Buch und ließ darin kein gutes Haar an DeLorean: "Das Schlimmste ist für mich die Erkenntnis", so Haddad, "dass die Firma an sich ein Erfolg war. Es war allein John DeLorean, der scheiterte." An einer anderen Stelle heißt es: "John wollte sich an dem System rächen, das ihn als Kind in die schmutzigen Gassen von Detroit gezwungen hatte. Als er später nach Bloomfield Hills kam, war auch das nicht genug für ihn. Er sehnte sich nach Größerem. Nun wollte er nicht ein paar Millionen Dollar, sondern hunderte Millionen Dollar...und politische Macht. Im Jahr 1984 spielte er noch immer mit dem Gedanken einer Präsidentschaftskandidatur."

Der Finanzvorstand der DeLorean Motor Company, Robert Dewey, kritisierte den Mangel an Kommunikation in der Führungsetage: "John umgab sich mit ziemlich intelligenten Personen, doch im Grunde wollte er Ja-Sager. Wenn man seine Aktionen hinterfragte, so fühlte er sich sofort persönlich angegriffen. Man konnte mit ihm keinen richtigen Dialog führen."

Andere Mitarbeiter bezeichneten DeLorean im Nachhinein als einen arroganten, unloyalen und misstrauischen Mann, der sich mit gezielter Rachsucht gegen ehemalige Angestellte wandte. "Letzteres kann ich bestätigen", erklärte William Collins, welcher einst als DMC-Chefingenieur für den Bau der Prototypen verantwortlich war. "Nach meinem Rücktritt kämpfte ich mit John lange um die mir vertraglich zugesicherten Aktienoptionen. Am Ende gab ich es auf. Ich muss jedoch hinzufügen, dass ich bis dato immer sehr gut mit John ausgekommen war. Er ist ein brillanter Ingenieur."

Der Ex-Vorstand der DeLorean Motor Cars of America (DMCA), Richard Brown, erklärte den Untergang der Firma folgendermaßen: "Ich glaube, der gewaltige Appetit nach Wachstum war für die Firma letztlich einfach nicht mehr zu verdauen und führte zu Magenverstimmung, Gleichgewichtsverlust und Brechreiz. Beispielsweise verdoppelten wir im November 1981 die Produktion von 40 auf 80 Autos pro Tag, obwohl der Markt dies zum damaligen Zeitpunkt in keiner Weise rechtfertigte. Hinzu kamen die negativen Presse-Berichte, der Zwist zwischen John und den Briten, der kalte Winter in den USA und ehe wir uns versahen, produzierten wir haufenweise Autos, die wir nicht verkaufen konnten. Wir lieferten knapp 1.200 unverkaufte Autos in die USA, welche - mit einem Wert von 24 Millionen Dollar - das gesamte Arbeitskapital der DMCL aufgebraucht hatten. Das war der Grund für die Konkursverwaltung."

Da sich die Verdopplung der Produktion nach dem Ende der Firma bald zum Hauptkritikpunkt in Bezug auf das Scheitern der Automobilfirma entwickelte, widmete sich auch John Z. DeLorean in seiner Autobiografie diesem Sachbestand.

Meine Kritiker haben betont, dass der von mir auf unrealistische 14.700 Autos pro Jahr vergrößerte Produktionsplan der wahre Grund für den Untergang der DeLorean Motor Company war. Was diese Leute nicht realisieren oder absichtlich übersehen, ist die Tatsache, dass unsere Produktionszahlen weit unter den Bauaufträgen lagen und dass sowohl unsere Fabrik als auch unsere Firma mit 7.000 Autos pro Jahr nicht hätte überleben können.
(DeLorean Autobiografie, S.137)

DeLorean hob zudem hervor, dass Brown damals persönlich die Produktionsverdopplung angeregt und unterstützt hatte.

Ich bin noch im Besitz des Briefes von C.R. Brown, der im November 1981 auf Grund unserer Aufträge und Absätze ausdrücklich empfahl, die Produktion zu steigern; wir hörten auf ihn. Jeder von uns - Don Lander, Joe Daly und ich - befragte Brown und die Verkaufsabteilung. Er beharrte, mit dem Ziel den Aufträgen nachzukommen, auf einer Expansion und war sich sicher, dass diese auf Grund der Bestellungen finanziell sinnvoll wäre. [...] Als wir von den Briten in Konkursverwaltung gesetzt wurden, waren wir für die nächsten zwei Jahre ausverkauft.
(DeLorean Autobiografie, S.137-138)

Doch wo waren die Bestellungen? Wo waren die Käufer, die dafür sorgten, dass die DMC für die nächsten zwei Jahre ausverkauft war? Wo waren sie, als im Januar 1982 knapp 1.200 DeLorean-Fahrzeuge in den Vereinigten Staaten ankamen und auf Abnehmer warteten?

Bruce McWilliams, der Nachfolger von C.R. Brown auf der Position des Präsidenten der DMCA, äußerte sich zurückblickend und in Anbetracht auf die seinem Rücktritt folgenden Auseinandersetzungen mit John DeLorean in erstaunlich positivem Tonfall über das Projekt: "Ich glaube, die Firma hätte ein Erfolg werden können. Wenn man bedenkt, dass dies ein privates Unternehmen war, so lag DeLoreans Leistung weit jenseits von allem, was für lange Zeit versucht worden war. Das Bestreben, diese Firma zum Laufen zu bringen, war jede Anstrengung wert. Die DMC litt an ernsten und tragischerweise unnötigen Schwachstellen. Jedoch konnte man nie sagen, die Arbeit in der Firma wäre langweilig oder eintönig gewesen. Sie war oft haarsträubend, manchmal großartig und stets immens lebhaft. Kein Tag glich dem anderen - wir gaben durchgehend Vollgas. DeLorean betonte immer, dass der Bereich des Möglichen sehr viel größer sei, als man für gewöhnlich annehme. Ich glaube daher, man sollte ohne Rücksicht auf den Ausgang des Unternehmens eine Art heroische Dimension der Bemühungen DeLoreans niemals in Vergessenheit geraten lassen." McWilliams meinte außerdem: "Es gibt Leute da draußen, die nur stumm zusahen und nun behaupten, DeLorean hätte die Dinge anders angehen müssen. Doch die Kritik dieser allwissenden Leute zielt meistens gänzlich an den Gründen vorbei, die das Unternehmen zum Scheitern brachten."

DeLorean selbst schob die Schuld für den Untergang der Firma größtenteils auf die Britische Regierung und das FBI. Noch im Jahr 2000 betonte der Amerikaner gar ausdrücklich, das Projekt sei in keiner Weise ein Misserfolg gewesen: "Ein Opfer von politischen Launen, ja, aber kein Misserfolg!" Tatsächlich muss man dem FBI zumindest eine Teilschuld geben. Da man DeLorean, wie sich vor Gericht eindeutig herausstellte, unter der Androhung von Gewalt über Monate hinweg zu langen Meetings und Geschäftsgesprächen verleitete, fehlte dem Amerikaner letztlich womöglich die nötige Zeit, um ein "echtes" Geschäft zur Rettung seiner Firma in die Wege zu leiten. Feststeht in diesem Zusammenhang aber auch, dass DeLorean das vermeintliche Drogengeld der Kriminellen akzeptiert hätte, sofern es "als legale Investition durch eine Bank" eingereicht worden wäre. Gegenüber dem Playboy betonte er gar, es sei ihm egal gewesen, wer das Geld auf die Bank brachte und woher es kam. Was allein zählte, war eine legale Investition. Für einen Mann, der ein ethisches Auto hatte vermarkten wollen, waren diese Worte keine schöne Publicity.
Durch die Tonbänder, welche das FBI während der Ermittlung gegen DeLorean aufnahm, erfuhr man darüber hinaus, dass dieser den angeblichen Präsident der Eureka-Bank, James Benedict (alias FBI-Agent Benedict Tisa), im Oktober 1982 gebeten hatte, den Briten eine Investition über 10 Millionen Dollar in die DeLorean Motor Company in Aussicht zu stellen, um auf diese Art die Regierung zu beruhigen, welche zum damaligen Zeitpunkt bereits den 18. Oktober zur Deadline für die endgültige Schließung der Fabrik erklärt hatte. Der den Bankdirektor spielende Agent erhielt daraufhin tatsächlich einen Anruf der britischen Konkursverwalter, doch wies er deren Anfrage nach der Möglichkeit einer Investition schroff und ohne zu zögern ab. Da John DeLorean den Briten eine baldige Einigung mit der Eureka-Bank versichert hatte, zerstörte dieser Anruf, den Benedict nach wenigen Sekunden eiskalt beendete, natürlich endgültig die Glaubwürdigkeit des Automobilmanagers. DeLorean hatte den Briten bereits seit einem halben Jahr von möglichen Investoren erzählt, nun aber war das Fass voll. Zwar erhielt der Amerikaner einen letzten Aufschub - die Deadline wurde auf den 22. Oktober verschoben - doch spielte dieser Umstand nach der Verhaftung in Los Angeles letztlich keine große Rolle mehr. Offen bleibt die Frage, ob die Regierungen der Vereinigten Staaten und des Vereinigten Königreiches am Ende gar kooperierten, um DeLorean dingfest zu machen - eine Verschwörungstheorie, die nie bewiesen werden konnte.

Fragen aufgeworfen hat DeLorean mittels seiner Autobiografie in Hinsicht auf die Notwendigkeit der im Februar 1982 erfolgten Konkursverwaltung, indem er erklärte, es wäre damals die Absicht der Briten gewesen, die Firma zu ruinieren. Nur aus diesem Grund, so DeLorean, habe die Regierung auch keine Schadensersatzzahlung für die Zerstörung eines Bürogebäudes auf dem Firmengelände in Dunmurry vorgenommen, das während der Unruhen rund um den Tod von Bobby Sands durch Brandbomben in Flammen gesteckt worden und infolgedessen vollständig abgebrannt war. Laut DeLorean waren die Briten vertraglich dazu verpflichtet, in Nordirland angesiedelte Firmen im Falle derartiger Terrorakte entsprechend zu entschädigen. So hätten der DeLorean Motor Company angeblich Millionen Dollar zugestanden, welche eine Konkursverwaltung verhindert hätten. Laut Kritiker William Haddad wurde der entstandene Schaden letztlich zwar nur auf 700.000 Dollar geschätzt, aus diesen, so Haddad, habe DeLorean jedoch kurzerhand 8 Millionen Dollar gemacht, um von den Briten mehr Geld einfordern zu können. Dem Buch "Dream Maker" zufolge erhielt DeLorean letztlich 7 Millionen Dollar von der Regierung - jedoch nicht als Schadensersatz, sondern in Form eines Kredits, der zurückgezahlt werden musste.

Ungeklärt bleibt der Part der Britischen Regierung darüber hinaus ebenso in Bezug auf den Vorwurf DeLoreans, sie habe sich auch abseits der Schadensersatzklage nicht an die vertraglich festgelegten Geschäftsvereinbarungen gehalten. Im Mittelpunkt steht dabei die sogenannte ECGD-Finanzierung, eine Exportkreditgarantie, derzufolge die DeLorean Motor Company für jedes gefertigte Fabrikat 90 Prozent des Händlerpreises kassieren durfte, also knapp 18.000 Dollar pro Auto - eine Summe, die im Falle des Verkaufs der Automobile zurückgezahlt worden wäre. Durch diese Finanzierung, so ließ DeLorean verlauten, hätte man hinsichtlich der bereits zuvor erwähnten 1.200 DeLorean-Fahrzeuge, für welche man im Frühjahr 1982 zu wenig Abnehmer fand, Anspruch auf knapp 21 Millionen Dollar gehabt, ein Betrag, der sämtliche Cashflow-Probleme umgehend aus der Welt geschafft und die Firma vor der Konkursverwaltung bewahrt hätte. Bis heute wurden diese Anschuldigungen DeLoreans weder widerlegt noch bekräftigt – dies ist insofern erstaunlich, da ein einfacher Blick in die Vertragsunterlagen und Rechnungsbücher der Firma hier ein für allemal Klarheit bringen könnte.

Ein weiteres Fragezeichen steht hinter der Behauptung DeLoreans, er habe dem Präsidenten des Britischen Handelsministeriums, Ken Bloomfield, im Laufe der Konkursverwaltung zweimal ohne Erwartung einer Gegenleistung sämtliche Anteile an seiner Automobilfirma angeboten, um auf diese Art den Firmenbetrieb und die Arbeitsplätze in Nordirland zu sichern. Die Firma, so DeLorean, hätte bei Annahme der Offerte vollständig den Briten gehört. Doch lehnte die Regierung das Gesuch ab. Da DeLorean versicherte, dass dieses Angebot schriftlich festgehalten im Staatsarchiv vorzufinden sei, müsste auch in diesem Fall eine einfache Recherche Licht ins Dunkel bringen können. Würde sich dabei herausstellen, dass dieses Angebot tatsächlich existierte und von der Britischen Regierung abgelehnt wurde, so müsste man die Vorgehensweise der Briten einmal mehr scharf hinterfragen.

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass die Ursachen für den Untergang der DeLorean Motor Company bis heute nicht vollständig geklärt wurden. Es scheint jedoch offensichtlich, dass insbesondere das Verhalten von John DeLorean, die Taten der Britischen Regierung, das unnötige Eingreifen des FBI und vereinzelt Aktionen von verschiedenen Führungskräften der Automobilfirma am Ende dazu beitrugen, dass letztlich 2400 nordirische Fabrikarbeiter zu Schaden kamen, die absolut nichts falsch gemacht hatten. Und das ist zweifellos die größte Tragödie der DeLorean-Saga.



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